Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Methode der mittleren Fehler, experimentell begründet durch Versuche aus dem Gebiete des Raummaßes, Fortsetzung
Person:
Merkel, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4229/3/
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Julius Merkel. 
Das Fechner’sche Verfahren wird von ihm selbst in folgender 
Weise beschrieben: »Nachdem ich die Einstellung der Fehldistanz 
auf scheinbare Gleichheit mit der Normaldistanz, sei es von einer 
zu großen oder zu kleinen Fehldistanz ausgehend, erst roh und so 
zu sagen verloren gemacht, sehe ich nach, ob sie wirklich der Gleich¬ 
heit für die Empfindung entspricht oder nicht, und schiebe die 
Grenze oder die Grenzen der Fehldistanz so lange hin und her, 
immer dabei zusehend, was der Erfolg für die Empfindung ist, bis 
mir in einer definitiven Einstellung die Gleichheit bestens erreicht 
scheint«. Da Fechner überdies hervorhebt, dass die definitive 
Einstellung bei diesem Verfahren irgendwo innerhalb der Grenzen 
der Unterschiedsschwelle stehen bleibt, scheint diese Methode dem 
Kerne nach mit der Müller’sehen übereinzustimmen. Die Er¬ 
mittelung der Grenzwerthe tritt bei diesem Verfahren nur nicht so 
deutlich hervor, und es ist in der Ausführung etwas vereinfacht. 
Ist dies der Fall, so unterliegt es denselben Bedenken wie das Ver¬ 
fahren Müllers. Beide Methoden haben jedoch den Vortheil, dass 
sich die im ersten Abschnitt entwickelte Theorie ohne weiteres zur 
Anwendung bringen lässt, dass also durch den Versuch die oben 
offen gelassene Frage beantwortet werden kann. 
Münsterberg1) und Higier2) verwenden folgende Methode: 
a) Man beginnt von einem größeren Reize und macht diesen 
allmählich dem Normalreize gleich. Sobald man den Punkt erreicht 
hat, bei welchem beide Reize gleich erscheinen, ist der Versuch 
beendet. Denselben Versuch wiederholt man re Male. 
b) Man vergrößert einen kleineren Reiz so lange, bis er dem 
Normalreize gleich erscheint, und führt wiederum re derartige Ver¬ 
suche aus. 
Bei diesem Verfahren macht sich jedoch die Schwelle geltend. 
Man erhält als Mittel der Versuche a) einen Werth, welcher größer, 
und als Mittel der Versuche b) einen Werth, welcher kleiner als 
der Normalreiz ist. Durch ein gewisses Nachwirken der Empfin¬ 
dungen, namentlich dann, wenn man von wesentlich verschiedenen 
Reizen ausgeht, wird allerdings der Endwerth nach dem Normalreize 
1) Beitr. zur exp. Psychologie, Heft II, S. 156. 
2) Phil. Stud. VII, S. 236.
        

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