Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur experimentellen Aesthetik einfacher räumlicher Formverhältnisse
Person:
Witmer, Lightner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4227/34/
Zur experimentellen Aesthetik einfacher räumlicher Formverhältnisse. 
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eben auf der Schwelle der Größenunterschiedsempfindlichkeit, die, 
wie oben erwähnt, bedeutend feiner ist als die Empfindlichkeit für 
Gefühlsunterschiede; der Lustwerth der einzelnen Nummern 9, 10 
und 11 wird daher ungefähr derselbe gewesen sein. Diese Ver¬ 
suche beweisen also jedenfalls, dass der Einfluss der Mitte kein 
sehr bedeutender ist und bald seine Grenze erreicht. 
Um aber über den Werth der Resultate, welche die Methode 
der stetigen Reihenanordnung liefert, ganz sicher zu sein, stellte 
ich mit zwei Personen A und M Control versuche nach der Me¬ 
thode der paarweisen Vergleichungen an1). A hatte schon vorher 
an Versuchen, die nach der Methode der regelmäßigen Figurenan¬ 
ordnung angestellt waren, mehrfach Theil genommen; M dagegen 
noch gar nicht. Die Figurenreihe, deren ich mich bei dieser 
Untersuchung bediente, bestand aus 16 Rechtecken. Die Breite 
bildete den constanten Major und betrug 50 mm, während die 
Höhe von 23 bis auf 38 mm an wuchs und zwischen je zwei Fi¬ 
guren um 1 mm differirte2). 
Diese Reihe wurde nun zunächst ganz und in progressiver An¬ 
ordnung der \ ersuchsperson A vorgelegt. Es fanden im ganzen 
<* Versuche statt; aber diese Wiederholungen vertheilten sich auf 
einen Zeitraum von 6 Monaten, um einen Einfluss der Erinnerung 
zu vermeiden. Das Resultat war folgendes: 
Const. Maj. Wohlgef. Min. MV Zahl d. Versuche 
59 mm 25 mm 0 6 
Als das gefälligste Rechteck dieser Reihe ist also mit auf¬ 
fallender Sicherheit dasjenige gewählt, dessen Höhe 25 mm beträgt, 
dessen Seiten sich also objectiv verhalten wie 1 : 2. Ziehen wir 
noch den Einfluss der optischen Täuschung in Betracht, so ergibt 
sich als wohlgefälligste Proportion diejenige, welche von dem Ver- 
hältniss 1 : 2 ein wenig in der Richtung des goldenen Schnittes 
abweicht. Ich könnte hier noch erwähnen, dass A auch bei 
1) Biese Buchstaben bedeuten nicht etwa die Anfangsbuchstaben der Namen 
der Versuchspersonen; vielmehr sind letztere ganz willkürlich durch Buchstaben 
der Reihenfolge des Alphabets nach bezeichnet. 
2) Die Glieder 23 : 50, 25 : 50 und 30 : 50 der Reihe sind in Fig. 1—3 der 
(lern 2. Theil der Arbeit beigegebenen Tafel abgebildet. (Siehe auch Tab. XVII 
Reihe 36 u. 37.) ’ 
Wundt, Philos. Studien. IX.
        

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