Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Beziehung zwischen Athmung und Aufmerksamkeit
Person:
Lehmann, Alfred
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4226/7/
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Alfred Lehmann. 
wie wir später sehen werden, zeugen die Ergebnisse sehr bestimmt 
gegen die Richtigkeit der Münsterberg’schen Hypothese. Diese 
Versuche wurden im Herbste 1891 und Frühjahr 1892 angestellt, 
und danach wurde im August ein kurzes Referat der Resultate dem 
psychologischen Congresse in London mitgetheilt. In der Discussion, 
die auf den Vortrag folgte, erhoben sich verschiedene Ein wände; 
um dieselben zu beseitigen, setzte ich im Herbste meine Versuche 
fort. Als diese eben beendigt waren, erschienen die Abhandlungen 
von Eckener und Pace, welche gleichfalls gegen Mjüns terberg’s 
Auffassung gerichtet sind. Dass meine Untersuchungen nun nicht 
durch die erwähnten Arbeiten überflüssig geworden sind, folgt ein¬ 
fach daraus, dass ich einen ganz anderen Weg eingeschlagen habe. 
Selbst wenn ich also nur die Resultate der genannten Autoren be¬ 
stätigen könnte, würde diese Uebereinstimmung von Interesse sein. 
Einig sind wir nun zwar in der Hauptsache, dass die sogenannten 
Aufmerksamkeitsschwankungen centraler Natur sind, dagegen bin 
ich fest überzeugt, dass die von Eckener gegebene Erklärung der 
Schwankungen unrichtig ist. Ich fange nun damit an, meine Be¬ 
denken über diese Erklärung zu erörtern ; wie die neuen Thatsachen, 
welche Eckener gefunden hat, aufgefasst werden müssen, wird sich 
später ergeben. 
Das interessanteste Resultat der Versuche JE ck en er ’s ist un¬ 
streitig die gefundene Beziehung zwischen der Dauer des Erinnerungs¬ 
bildes einer gegebenen Empfindung und der Zahl der Schwankungen 
derselben. »Kurz andauernde und seltene Schwankungen treten bei 
denjenigen Schallempfindungen ein, deren Erinnerungsbilder lebendig 
und lange festgehalten werden können«1). Diese Thatsache be¬ 
trachtet Eckener als eine Bestätigung seiner, durch kritische Aus¬ 
einandersetzungen gewonnenen Ueberzeugung, »dass während des 
Appercipirens der minimalen Empfindung ein innerer (psychophy¬ 
sischer Zustand vorhanden ist, der sich in dem Festhalten des Er¬ 
innerungsbildes über die reale Reizung hinaus bethätigt, [und dass 
nur in einer Veränderung dieses Zustandes die Ursache der Schwan¬ 
kungen zu suchen sei«2). Ich bedauere sehr, gestehen zu müssen, 
1) a. a. O. S. 379. 
2) a. a. O. S. 371.
        

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