Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zu einer Logik der Socialwirthschaftslehre, Schluss
Person:
Wenzel, Alfred
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4223/8/
Beiträge zur Logik der Soeialwirthschaftslehre. 
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Dem‘grenzenlosen Subjectivismus’einer von rein subjectiv- psycho¬ 
logischen Gesichtspunkten beherrschten Auffassung wird alles Er¬ 
kennen aber gerade dadurch entgegenzuarbeiten haben, dass es an 
Stelle derselben logische^Kriterien setzt oder, was dasselbe ist, dass 
es sich logische Instrumente des Denkens bildet, und das sind Be- 
griffe. Wie ohne feste Begriffsbestimmungen eine Analyse oder 
auch bloß eine Charakteristik geschichtlicher Thatsachen möglich 
sein sollte, ist völlig unerfindlich. Man denke doch nur daran, 
was dabei herauskommt, wenn z. B. bei der Charakteristik der 
verschiedenen Wirthschaftsstufen willkürlich mit den Begriffen 
Grundrente, Capital, Unternehmung u. dergl. herumgewirthschaftet 
wird! Wo diese Begriffe der subjectiven Willkür des Einzelnen 
überlassen bleiben, da wird die Geschichtsschreibung zum Roman 
und sicherlich nicht einmal zu einem guten Roman ! Da entsteht 
von der Vergangenheit ein Phantasiebild, das nirgends anders 
existirt, als im Kopfe des Geschichtsschreibers selbst, und aller 
Fleiß des Quellenstudiums, aller auf Sichtung des Quellenmaterials 
verwandte Scharfsinn ist verlorene Liebesmühe, wenn die mühselig 
geschaffene Ordnung des Stoffes durch jene darüber kommende 
Willkür der Begriffsschöpfung immer wieder in ein geistiges Chaos 
verwandelt wird. 
So hat die Unkenntniss der »Entwickelungsstufen der Volks¬ 
wirtschaft« selbst die bedeutendsten Theoretiker der älteren Schule, 
Männer wie Adam Smith und Ricardo, verleitet, Gesichtspunkte, 
die dem Erkenntnisszusammenhang der modernen Verkehrswirth- 
schaft entstammen und im Rahmen derselben sich logisch erprobt 
haben, ohne weiteres auf primitive Wirthschaftszustände zu über¬ 
tragen. Solche schablonenhafte, auf ungenügender historischer 
Kenntniss beruhende Uebertragung von Begriffsschematen konnte 
aber nur dazu führen, den Thatsachen Gewalt anzuthun, und der 
wissenschaftlichen Aufgabe, welche Begriffe zu erfüllen haben, 
widersprechen derartige mechanische Praktiken von Grund aus. 
Diese Aufgabe kann einzig und allein nur darin bestehen, dass 
Begriffe sich zu Urtheilen entfalten, die für das Verständnis» der 
concreten Erscheinungen eine Fülle klärender und erleuchtender 
Gesichtspunkte einschließen; daher werden sie ihren Rechtstitel 
stets in der praktischen Anwendung selbst erwerben und immer
        

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