Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zu einer Logik der Socialwirthschaftslehre, Schluss
Person:
Wenzel, Alfred
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4223/5/
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Alfred Wenzel. 
geistigen Geschehens, dass in keiner Weise hier Kraft verloren geht-, 
stets finden wir vielmehr, wie Wundt lehrt, überall auf geistigem 
Gebiete ein gewaltiges Wach stimm’an Energie, das nirgends auf 
naturwissenschaftlichem Gebiete' irgend welche Analogien hat1). 
Indem aber »das Princip der Aequivalenz von Ursache und Wirkung, 
welches uns die vereinfachte Auffassung der Naturvorgänge haupt¬ 
sächlich ermöglicht, auf geistigem Gebiet offenbar seine Geltung 
verliert «, bringt dieser Umstand »eine unendlich viel größere indi¬ 
viduelle Mannigfaltigkeit der geistigen Vorgänge und namentlich 
einen fortwährenden Fluss der Gesetze des geistigen Lebens selbst 
mit sich«2). 
Damit hängt denn auch zusammen, dass der Versuch, die auf 
Grund historischer Kritik festgestellten Thatsachenfolgen in ihrem 
psychologischen Causalzusammenhange uns zum Verständniss zu 
bringen, eben wegen der Singularität alles geistigen Geschehens, 
immer nur zu »Specialgesetzen« führen kann, d. h. zu solchen Ge¬ 
setzen, die lediglich nur eine'individuelle Regelmäßigkeit’constatiren, 
jede‘axioma tische Verallgemeinerung*aber ausschließen3). 
Die unentwirrbare Complication des geistigen Geschehens, die 
Epigenesis geistiger Werthe, sowie die Unmöglichkeit, die zahl¬ 
reichen der freien Initiative entspringenden Einflüsse Einzelner und 
socialer Gruppen vorauszusehen, ist zugleich der Grund, dass eine 
Voraussicht der Zukunft sich stets nur in sehr engen Zeitgrenzen 
bewegen kann4), und abermals tritt hier zu Tage, dass jeder 
heilsame Fortschritt, wie überall, so auch auf wirthschaftlichem 
Gebiete, niemals anders erhofft werden kann, als auf dem Wege 
gesetzmäßiger organischer Weiterbildung. Da sich die Singularität 
eines zukünftigen Geschehens niemals in der Vorstellung anticipiren 
lässt, alle Voraussicht vielmehr stets mit gänzlich unbekannten und 
unberechenbaren Factoren zu rechnen haben wird, so bedeutet eine 
') Siehe Wundt, Logik, IL S. 508 ff., Ethik. 2. Aufl. S. 266 und besonders 
die Abhandlung in den »Philosophischen Studien« Bd. X. Heft 1 : »Ueber psychi¬ 
sche Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus«. 
2) Wundt, Ueber den Begriff des Gesetzes in den philos. Studien 1883, 
Bd. HI. S. 306. 
3) Wundt, Logik, II. S. 543. 
*) Wundt, System der Philosophie. S. 617.
        

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