Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchungen über die Gefühlsbetonung der Farben, Helligkeiten und ihrer Combinationen
Person:
Cohn, Jonas
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4222/41/
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Jonas Cohn. 
einen gewissen Grad überschreitet. Eine diesem Verhältnisse ent¬ 
sprechende Curve müsste demnach mehrere scharf abgegrenzte 
Maxima und Minima zeigen, sie könnte nicht jenen glatten Verlauf 
haben, den wir an unserer Wohlfälligkeitscurve verzeichneten. In¬ 
dessen ist es ja kaum erforderlich, sich ernsthaft mit jener An¬ 
schauung zu beschäftigen. Wer sich einmal überlegt hat, dass die 
Luftschwingungen die Cortischen Fasern des Ohres in Schwingungen 
von gleicher Periode versetzen, während die Lichtstrahlen in der 
Netzhaut einen uns unbekannten chemischen Process erregen, der 
wird eine solche Vergleichung für unzulässig halten müssen. 
Ernsthafter ist von vornherein die Contrasthypothese Chevreul’s 
und seiner Nachfolger zu nehmen. 
Nach dieser in § 12 näher dargestellten Theorie beruht der 
verschiedene Gefühlswerth der Farbencombinationen auf der Art, 
wie die Componenten contrastirend aufeinander wirken. Das 
Maximum läge danach bei Contrastfarben, welche einander in 
der Sättigung verstärken. Zwei Minima lägen in der Gegend des 
stärksten farhenablenkenden Contrastes. Versuche zur Bestimmung 
dieses letzteren Punktes liegen nicht vor und wären jedenfalls 
äußerst schwierig. Soviel indessen dürfte man schon jetzt an¬ 
geben können, dass er irgend wie in der Mitte zwischen Grund¬ 
farbe und Complementärfarbe, wahrscheinlich der ersteren näher 
liegt. Jedenfalls müssten die kleinsten Intervalle den mittleren vor¬ 
gezogen werden. Die Gestalt unserer Curve ergibt unzweideutig, 
dass das nicht der Fall ist. Auch die Aussage der Selbstbeobach¬ 
tung spricht dafür, dass bei Färbenzusammenstellungen noch etwas 
anderes die Wohlgefälligkeit beeinflusse, als die Sättigung der Com¬ 
ponenten, welche durch den Contrast vermehrt oder vermindert 
wird. Ueberdies ist bei starkgesättigten Farben, wie sie besonders 
zu den Gelatineversuchen verwendet wurden, der Farben contrast 
recht schwach. Man wird nun fragen, wie es kam, dass eine Reihe 
ausgezeichneter Forscher den Vorzug kleiner vor mittleren Inter¬ 
vallen behaupten konnte. 
Die Lösung liegt ziemlich nahe, wenn man sich das Brücke’sehe 
Gesetz der kleinen Intervalle näher ansieht. Wie schon bemerkt, 
besagt dasselbe, dass kleine Intervalle dann gefallen, wenn die 
Helligkeitsverhältnisse beschatteten und belichteten Partien des-
        

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