Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchungen über die Gefühlsbetonung der Farben, Helligkeiten und ihrer Combinationen
Person:
Cohn, Jonas
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4222/33/
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Jonas Cohn. 
abzulenken. Sind sie aber einander sehr nahe liegend, so ent¬ 
wickelt sich gar kein, oder doch nur ein geringer Contrast. Anders 
bei mittlerer Verschiedenheit zwischen den beiden Componenten. 
Setzt man z. B. ein Blau neben ein Grün, so erscheint das Blau 
nach Violett, das Grün nach Gelb abgelenkt und beide in ihrer 
Sättigung vermindert; es entsteht der sogenannte schädliche Contrast. 
Diese Verbindungen sind daher schlecht oder doch weniger gut, 
während die Verbindung der Complementärfarben am günstigsten 
wirkt. 
Brücke1) unterscheidet zunächst zwischen kleinen und großen 
Intervallen. Unter den ersteren versteht er Zusammenstellungen, 
deren Glieder einander im Farbenkreis nahe liegen. Diese kleinen 
Intervalle gefallen, wenn die Helligkeitsvertheilung der natürlichen 
Schattenwirkung entspricht. Wenn man z. B. ein rothes Tuch in 
Falten legt, so erscheinen die beschatteten Partien purpurn. Bei 
einer Zusammenstellung Both-Purpur müssten also die purpurnen 
Partien dunkler gewählt werden. Für die gutwirkenden großen 
Intervalle gibt Brücke2) keine allgemeine Begel, sondern nur 
specielle Vorschriften. Dagegen führt er die Gründe an, aus denen 
seiner Ansicht nach eine Combination schlecht sein könnte3). Es 
sind drei. Entweder die Combination wirkt hart oder grell, was 
bei starkgesättigten Contrastfarben eintreten kann. Oder sie ist 
mangelhaft, weil eine Farbe fehlt, um die Combination zu Weiß zu 
ergänzen. Besonders stark werde hier das Fehlen von Both em¬ 
pfunden. Oder endlich eine Combination ist schlecht durch schäd¬ 
lichen Contrast. 
von Bezold4) gibt dem Brücke’sehen Gesetze der kleinen 
Intervalle folgende Form: »Bei Zusammenstellung nach kleinen 
Intervallen müssen die beiden Farben in ihrem natürlichen Hellig¬ 
keitsverhältnisse stehen, oder die Helligkeiten der beiden Farben 
müssen sich in demselben Sinne ändern wie auf dem Farbenkreise.« 
Die mittleren Intervalle gelten auch ihm als besonders missfällig, 
1) Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerbe. Leipzig 1866. 
S. 176 ff. 
2) A. a. O. S. 180 ff. 3) A. a. O. S. 203 ff. 
4) Die Farbenlehre im Hinblick auf Kunst und Kunstgewerbe. Braun¬ 
schweig 1874. S. 219 ff.
        

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