Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchungen über die Gefühlsbetonung der Farben, Helligkeiten und ihrer Combinationen
Person:
Cohn, Jonas
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4222/2/
Experimentelle Untersuchungen über die Gefühlsbetonung der Farben etc. 563 
nie und nimmer zu einem Zweige der Physiologie herabsinken darf. 
Was für den Physiologen Problem ist, das ist für den Psychologen 
bloßes Reagens und umgekehrt. 
Die Fragestellung der von Fechner so genannten experimen¬ 
tellen Aesthetik ist stets: In welcher Abhängigkeit stehen die 
Gefühle von bestimmten Verhältnissen der Empfindung? 
Bei Fechner selbst war die Frage beschränkter so gefasst: 
Wo liegt das Maximum der Schönheit für gewisse Verhältnisse der 
Empfindungen? Aber schon Witmer1) zog mit Recht dieser ein¬ 
seitigen Hervorhebung des Maximums die Construction der ge- 
sammten Curve vor. Unter den drei von Fechner erdachten 
Methoden der experimentellen Aesthetik gehört die der Verwendung 
nicht der Psychologie an und ist überhaupt keine experimentelle, 
sondern eine Statistische Methode, da die wichtigste Grundeigen¬ 
schaft des Experiments, die willkürliche Veränderung der Versuchs- 1 
Bedingungen, fehlt2). Die Methode der Herstellung hat eine strengere 
Ausbildung noch nicht erfahren, dagegen ist die Methode der Wahl 
durch Witmer fortgehildet worden. 
Witmer’s methodologische Fortschritte über Fechner hinaus 
bestehen : 1) in der gründlichen Heranziehung einer geringeren 
Zahl von Versuchspersonen, 2) in der Vollständigkeit seiner Reihen, 
3) in der geordneten Vorlegung. 
Die Aufgabe der folgenden Arbeit ist es, die experimental¬ 
ästhetischen Methoden, von dem Problem des schönsten räumlichen 
Verhältnisses, auf welches allein sie bis jetzt systematische An¬ 
wendung gefunden hatten, auf ein anderes Gebiet, das der Com- 
binationen voh Farben und Helligkeiten und im weiteren Verfolg 
der Arbeit auch auf die gefühlsmäßige Bewerthung der einzelnen 
Farben und Helligkeitsstufen zu übertragen. Da die Methode der 
Herstellung aus naheliegenden Gründen für den größten Theil der 
hier zu behandelnden Fragen unanwendbar ist, blieb nur die Me¬ 
thode der Wahl übrig. Unter den von Witmer an derselben 
1) Phil. Stud. IX, S. 96 ff., 209 ff. 
2) Hiermit soll natürlich die eminente Bedeutung dieser Methode in ästhe- 
tisch-sociologischer Beziehung nicht angetastet werden, in deren Bewerthung ich 
mit Grosse (Anfänge der Kunst. S. 141) übereinstimme.
        

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