Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur physiologischen Psychologie des Geschmackssinnes, Fortsetzung
Person:
Kiesow, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4221/4/
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Friedrich Kiesow. 
dass reines Chinin wenigstens bei mir keine weiteren Tast¬ 
empfindungen hervorruft. Anders ist es bei Schwefel- oder salz¬ 
saurem Chinin. HieT hat man auf höheren Stufen wieder eine 
deutliche, mehr oder weniger brennende Empfindung. Oehrwalll) 
hat auf den höheren Stufen hei Süß und Bitter ebenfalls Tast¬ 
empfindungen beobachtet. 
Mit Bezug auf den alkalischen Geschmack ist die Frage noch 
offen, ob derselbe als Tast- oder Geschmacksempfindung oder als 
beides zusammen aufgefasst werden muss. Zweifelsohne ist er mit 
Tasteindrücken, denen sich wohl auch Geruchsempfindungen zu¬ 
gesellen können, verbunden, im übrigen ist es jedoch nicht leicht, 
ihn qualitativ zu bestimmen. Dies ergibt sich schon daraus, dass 
man einigermaßen in Verlegenheit geräth, wenn man ihn näher 
definiren soll. Suhjectiv ist das Alkalische neben dem deutlich 
wahrnehmbaren Tasteindruck auch für den Geschmack so eigenartig, 
dass es keinem der vier übrigen Geschmäcke zugerechnet wird. 
Man muss diesen Eindruck wie die übrigen Geschmäcke selbst 
empfunden haben, wenn man ihn einem Andern verständlich machen 
will. Nach dem deutschen Wörterbuche von Grimm2) »scheint 
dem Worte Lauge der Begriff des Brennenden zu Grunde zu liegen 
und die nächste Verwandtschaft mit lauh und lohe stattzufinden «. 
Im Göttingenschen ist Lauge gleich lohe, helle Flamme. Nach 
Kluge3) ist Lauge das mhd. louge, das ahd. louga, das angs. leah, 
das engl, lie, lye, das altnordische laug. Letzteres bedeutet warmes 
Bad. Kluge nimmt einen Zusammenhang des Wortes an mit den 
Wurzeln lou, lu gleich baden, lat. lavare. Das germanische luh 
ist ebenfalls waschen. Demnach sind die Begriffe Lohe, lau, Lauge, 
adj. laugig verwandt, sofern ihnen allen der gemeinsame Begriff 
des Brennenden zu Grunde liegt. Durch den Wandel der Sprache 
sind sie dann so aus einander gefallen, dass wir mit der Lohe 
noch heute die helle, lodernde Flamme bezeichnen, mit dem Ad- 
jectivum lau aber eine durch die Flamme erzeugte, aber nicht 
schmerzhafte, sondern mit dem Gefühl des Angenehmen verbun¬ 
dene Temperaturempfindung. Das Substantivum Lauge hat eine 
1) a. a. O. S. 9. 2) Bd. VI. 1885. S. 338. 
3} Etymol. Wörterb. 5. Aufl. 1894. S. 228.
        

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