Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Logik der Socialwirthschaftsiehre. 
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erwarten, dass, nachdem die Voraussetzungen hinfällig geworden, 
unter welchen der Hass gegen alles, was irgendwie nach Philosophie 
schmeckte, seinen guten Sinn hatte, der Credit der letzteren steigen 
müsste. Dass die Philosophie, nachdem sie sich zur Pflicht gemacht 
hat, sich in der Schule der Einzelwissenschaften zu bilden, nun¬ 
mehr auch das Recht erworben hat, voll und ganz als Wissenschaft 
zu gelten, um mit allem, was diesen Namen gleichfalls führt, in 
lebendigen Zusammenhang und in innigste Wechselwirkung zu treten, 
wird niemand leugnen können. Solche enge Fühlung der Einzel¬ 
wissenschaften mit der Philosophie wird aber mit der wachsenden 
Specialisirung der wissenschaftlichen Forschung und der darin liegen¬ 
den Gefahr einer geistigen Zersplitterung immer nothwendiger und 
wünschenswerther, und im allgemeinen appellirt jene Forderung 
doch nur an jenes Gesetz der Correlation, das überall auf geistigem 
Gebiete uns entgegentritt und das bei der fortschreitenden Arbeits- 
theilung in der Wissenschaft an Bedeutung nichts einbüßt. 
Wie schon angedeutet, soll keineswegs gesagt sein, dass das 
oben dargelegte Motiv allein zu der heutigen Polemik gegen die 
abstracte Wirthschaftstheorie den Anlass gegeben hat. Für die 
letztere erwächst jedenfalls daraus eine Verpflichtung mehr, über 
die Stellung, die sie der Erfahrung gegenüber einnimmt, unum¬ 
wunden Auskunft zu geben, und allein die Methodologie kann im 
Stande sein, dieses zu leisten. 
Ich gehöre, um es sogleich zu bekennen, nicht zu denen, die 
die Kritik der »historischen Schule« für so nichtig halten, dass sie 
ihr nicht eine große, auch vor dem Forum der erkenntnisstheoreti- 
schen Methodologie fortbestehende Berechtigung zuerkennen. Sicher¬ 
lich lehrt diese Kritik, dass die »Theorie«, um den veränderten An¬ 
sprüchen der Wirklichkeit zu genügen, einer Weiterentwickelung 
dringend bedürftig ist. Das »Wie« freilich dürfte vielleicht weniger 
in der Hand der Wirthschaftstheoretiker selber liegen, als vielmehr 
abhängig sein von den noch zu erwartenden Fortschritten der Psycho¬ 
logie und Ethik. Man lese aber nur die den Standpunkt der abstracten 
Theorie vertheidigende Schrift Dietzel’s, »Beiträge zur Methodo¬ 
logie der Wirthschaftswissenschaft«, um sofort zu sehen, welche zahl¬ 
reichen, fast unglaublichen Irrthümer, Missverständnisse und Schief¬ 
heiten der Auffassung seitens jener Kritik der »historischen Schule«
        

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