Bauhaus-Universität Weimar

462 
Alfred Wenzel. 
k 
ich nur noch ausdrücklich hervorheben, dass der hauswirthschaft- 
lichen Periode der Name Volkswirthschaft ebenso wenig zuge¬ 
sprochen werden kann, wie der Name Socialwirthschaft. Denn 
die wesentliche Bestimmung dieser beiden Begriffe bleibt eben die 
organische Structur des wirthschaftlichen Lebens: jene be¬ 
zeichnet denjenigen wirthschaftlichen Organismus, der innerhalb 
des Zweckgebietes der bestimmten politisch-rechtlichen Organisation 
eines bestimmten zut staatlichen Einheit zusammengefassten Volkes 
sich abspielt, diese bezeichnet den wirthschaftlichen Organismus 
schlechthin, d. h. unabhängig gedacht von allen besonderen politi¬ 
schen Maßnahmen und nationalen Schranken, lediglich als das 
Product freien socialwirthschaftlichen Verkehrs1). 
Gegenüber dem Nebeneinander der Einzelwirthschaften, die 
von den Fäden des Handels und des directen Austausches in dieser 
Periode nur lose umsponnen erscheinen, trägt jede derselben aller¬ 
dings durchaus organisches Gepräge. So stellt die »familia urban a« 
auf Grund ausgedehnter Arbeitstheilung bereits ein überaus reich 
gegliedertes System mannigfachster Wechselwirkung dar, innerhalb 
dessen jeder ebenso sehr von den Leistungen des anderen abhängig 
ist, als er durch Uebernahme eines Theils der Gesammtarbeit an 
der Zweckthätigkeit des Ganzen mitarbeiten hilft. Daher wird 
man nicht fehl gehen, wenn man diese Einzelwirthschaft mit der 
Zelle vergleicht, aus deren inneren Lebensbedingungen heraus 
der volkswirthschaftliche Organismus der späteren Zeit sich ent¬ 
wickelt hat. 
Erst ganz allmählich, im Laufe jahrhundertelanger Umbildung, 
geht die »geschlossene Hauswirthschaft« in eine neue Entwickelungs¬ 
form über, nämlich in die der »Stadtwirthschaft« (nach Bücher’s 
Bezeichnung), und damit ist in dem Fortschritt zur Volkswirthschaft 
eine wichtige Etappe bezeichnet. »Das Wesen dieser Wirthschaft«, 
sagt Bücher2), »liegt darin, dass die auf den Anbau des Bodens 
gegründete Einzelwirthschaft einen Theil ihrer Selbständigkeit ver¬ 
liert, indem sie nicht mehr im Stande ist, ihren gesammten Güter- 
1) Vergl. hiermit die Definitionen Dietzel’s in seiner Dissertation: Das 
Verhältniss der Volkswirthschaftslehre zur Socialwirthschaftslehre. Berlin 1882. 
Einleitung. 
2) Entstehung der Volkswirthschaft. S. 43.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.