Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen zur Psychologie und Aesthetik des Rhythmus, Fortsetzung
Person:
Meumann, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4218/8/
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Ernst Meuraann. 
heit eingehalten werden kann, für den freien »dem natürlichen 
Gefühl folgenden« Rhythmus ist aber eben deshalb aus diesen 
Versuchen nichts zu ersehen. (Vgl. meine Discussion der Brücke¬ 
schen Versuchsresultate Cap. IV. § 1 d. A.) 
§ 2. 
Die Elemente des Versrhythmus. 
Nachdem ich oben die Eigenthümlichkeiten des poetischen 
Rhythmus gekennzeichnet und aus dem Rhythmizomenon verständ¬ 
lich zu machen gesucht habe, kann nunmehr die Frage in Angriff 
genommen werden : was findet die psychologische Analyse an con- 
stituirenden Elementen des rhythmischen Eindrucks gesprochener 
Verse? 
Den Leitfaden für die Aufsuchung der Elemente des Vers¬ 
rhythmus haben wir an den bekannten psychischen Processen, die 
in den rhythmischen Vorgang eingehen, wir werden jedenfalls fragen 
müssen nach den Empfindungsprocessen, den Zeitvorstellungen und 
den associativ-apperceptiven Erlebnissen, die die Selbstwahmehmung 
des Hörenden findet. 
Die Berücksichtigung der ersteren führt uns nun jedenfalls zu 
dem in erster Linie für den Versrhythmus in Betracht kommenden 
rhythmischen Element : der Verwendung von Betonungsunterschieden. 
Die Frage, wie viele Betonungsstufen in der Poesie zur Verwendung 
kommen, wie viele zu einem rhythmischen Ganzen in der Decla¬ 
mation zusammengefasst werden können', gehört unter den synthe¬ 
tischen Gesichtspunkt des Aufhaus der in der Poesie verwendeten 
Versformen, mit dem wir uns hei dieser analytischen Betrachtung 
nicht beschäftigen wollen. Für mich handelt es sich um die psy¬ 
chologische Bedeutung dieses Intensitätsunterschiedes ; sie sehe ich 
darin, dass die Betonungsstufen in der Poesie, wie in der Musik, 
eines der rhythmisch zusammenschließenden Elemente sind. 
Ebenso wie zwei für sich gleichgültige, gleich starke Schallein¬ 
drücke sofort als ein zusammengehöriges Ganze erscheinen, wenn 
einer von ihnen verstärkt wird (statt 1-2, 1-2 geklopft wird), so 
bringt der Wechsel der Betonungsstufen des declamirenden Sprechens 
jene innerlich zusammenfassende Thätigkeit ins Spiel, die die Neben-
        

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