Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen zur Psychologie und Aesthetik des Rhythmus
Person:
Meumann, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4214/4/
252 
Ernst Meumaun. 
logischer Erklärungsweise, psycho-physiologische und rein ästhe¬ 
tische Theorien. Diesen schließe ich an die Beiträge, welche von 
Seiten der Musiktheoretiker zur psychologischen Erklärung der 
musikalisch rhythmischen Formen gegeben worden sind. Endlich 
werden die Anfänge psychologischer und physiologischer Erklärungs¬ 
weise des Versrhythmus, welche von Seiten der phonetischen und 
metrischen Forschung gemacht worden sind, zu berücksichtigen sein. 
§ 1. 
Das Problem des Rhythmus ist merkwürdiger Weise von einer 
sehr großen Zahl seiner Erforscher in dem Sinne einer Frage nach 
der »Entstehung« des Rhythmus formulirt worden. Die Zwei¬ 
deutigkeit des Wortes »Entstehung«, das ebensowohl entwickelungs¬ 
geschichtlich verstanden werden kann, wie in dem Sinne eines Nach¬ 
weises der Bedingungen, welche im einzelnen Falle einer Takt¬ 
wahrnehmung den rhythmischen Eindruck »entstehen« lassen, scheint 
dabei die Forscher irregeführt zu haben. Diese Auffassung ging 
aus von den metrischen Theorien des Zeitalters der klassischen 
Dichtung. Bei K. Ph. Moritz finden sich, so viel mir bekannt ist, 
die ersten Andeutungen der genetischen Erklärungsweise (Deutsche 
Prosodie S. 23 f.). Moritz führt aus: Indem der übermäßige Be¬ 
wegungsdrang, das Kraftgefühl die Menschen (welche und wann? 
d. Verf.) antrieb zu springender und tanzender Bewegung, habe 
man zufällig die periodische Abwechselung schneller und langsamer 
Bewegungen beobachtet, und diese rhythmische Ordnung der Be¬ 
wegungen, einmal zufällig entstanden, habe die Aufmerksamkeit 
gefesselt, das Lustgefühl erregt, sei bewundert und nachgeahmt 
worden, und so sei die Entstehung des Tanzes zu denken. Aehn- 
lich die des Metrums aus der zufälligen Aufeinanderfolge regelmäßig 
abwechselnder längerer und kürzerer Silben, wie sie gelegentlich in 
emphatischer Rede entstehen mochte. 
Diese Auffassung von der Entstehung des Rhythmus aus zu¬ 
fällig rhythmisirten Bewegungen ist seitdem in allen erdenklichen 
Variationen wiederholt worden. Es hat keinerlei Interesse für die 
psychologische Forschung, ihre Wandlungen zu verfolgen. Es ge¬ 
nüge darauf hinzuweisen, dass sie für das Verständniss des
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.