Bauhaus-Universität Weimar

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Ernst Menmann. 
teilen Nachweis geliefert, dass Athem und Herzschlag (Puls) durch 
das Anhören von Schalltakten beeinflusst werden, indem sich die 
Pulsfrequenz verändert, und die Athemgipfel (oder auch die Thäler) 
der pneumographischen Curve die Tendenz zeigen, mit den rhyth¬ 
mischen Zählzeiten zusammen zu fallen. Es bestätigten sich in 
diesen Versuchen von Mentz theilweise frühere Beobachtungen von 
E. Leumann (Phil. Stud. V, S. 618 ff.), die Experimente von Dogiel 
(Pflüg. Arch. f. Physiol. 1880. S. 416 ff.) und ganz neuerdings hat 
Bolton (Amer. Journal of Psych. Vol. VL S. 202) wiederum auf dem 
Wege der bloßen Beobachtung die Einstellung von Athem und 
Puls nach dem gehörten Schallrhythmus innerhalb gewisser Grenzen 
von einer größeren Zahl von Beobachtern festgestellt1). Zudem 
weisen zahlreiche anatomische und physiologische Thatsachen auf 
die Verbindung zwischen Gehörorgan und Athem- und vielleicht 
auch Gefäßcentren einerseits und speciell zwischen dem Bogenlaby¬ 
rinth des Ohres und dem Tonus unserer willkürlichen Muskulatur 
andrerseits hin. Es ist ja sehr leicht möglich, gerade auf die 
von R. Ewald2) neuerdings wahrscheinlich gemachte Thatsache 
(die freilich von Breuer wiederum bezweifelt worden ist), dass 
der Muskeltonus unserer willkürlichen Muskulatur, ganz beson¬ 
ders, so weit sie der feineren Beweglichkeit des Körpers dient, 
einer beständigen Regulirung durch das Bogenlabyrinth des Ohres 
unterliegt, Hypothesen zu begründen, die dem Zusammenhang der 
Perception von Schalltakten mit begleitenden Bewegungen unserer 
willkürlichen Muskulatur eine bestimmte anatomische Grundlage 
geben. Stärkere, vielleicht ganz besonders periodische Erschütte¬ 
rungen des inneren Ohres könnten ja die Endolymphe der Bogen¬ 
gänge in Mitleidenschaft ziehen und hierdurch den oft unwider¬ 
stehlichen Drang zu rhythmischer Bewegung der Körpermuskulatur 
bedingen, noch mehr, die von den Bogengängen ausgehende Reflex¬ 
erregung bezieht sich jedenfalls ganz besonders auf die Kopf- und 
Halsmuskulatur, und die Halsmuskulatur wird auch ganz besonders 
leicht für die rhythmischen Bewegungen in Anspruch genommen. 
1) Auch Dutczinsky, Beurtheilung und Begriffsbildung der Zeitintervalle« 
(Leipzig 1894), theilt eine Anzahl ähnlicher Beobachtungen mit. 
2) Yergl. R. Ewald, Untersuchungen über das Endorgan des N. octavus. 
S. 294. Ferner Breuer’s Referat über diese Schrift: Zeitschr. f. Psychol, und 
Physiol, d. Sinnesorg. Bd. VII, S. 55.
        

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