Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Abhängigkeit zwischen Reiz und Empfindung, Vierte Abtheilung, Fortsetzung
Person:
Merkel, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4213/16/
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Julius Merkel. 
Reiz erhaltene Werth zu klein ausfallen, sich also dem geometrischen 
Mittel mehr oder weniger nähern. Meine sämmtlichen Versuche 
wurden mit normaler Aufmerksamkeit ausgeführt mit Ausnahme 
einer einzigen Gruppe, bei welcher die Grenzreize nur um die 
doppelte Schwelle abwichen. Bei diesen Versuchen musste mit 
gespannter Aufmerksamkeit beobachtet werden, die aber während 
der ganzen Versuchsreihe beizuhehalten war. 
Nach dieser Darstellung dürfte es allerdings gewagt erscheinen, 
aus den Ergebnissen der Versuche Angell’s auf Grund der Me¬ 
thode der Minimaländerungen etwas sicheres zu schließen — aber 
ebenso will es mir unerlaubt erscheinen, diese Ergebnisse einfach 
zu verwerfen. Es gilt bei physikalischen Messungen das Gesetz, 
nur diejenigen Beobachtungen unbeachtet zu lassen, welche schon 
vor der Berechnung zweifellos als verdächtig erscheinen. »Jede Beob¬ 
achtung«, sagt Gerling1), »welche durch das BeobachtungspTotokoll 
nicht als verdächtig bezeichnet wird, ist .für mich ein Zeuge, welcher 
soeben die Wahrheit bezeugt hat. Ich habe nicht das Recht, sein 
Zeugniss unter dem Vorwand zurückzu weisen, dass seine Aussagen 
von den andern abweichen, ebenso wenig, als ich ihn foltern darf, 
bis er etwas mir Erwünschtes aussagt«. Und hier sollen die Er¬ 
gebnisse ganzer Beobachtungsreihen einfach über Bord geworfen 
werden, weil sie nicht das Gewünschte bezeugen? 
Doch man wird mir entgegnen, dass die Versuche mit unregel¬ 
mäßigen Aenderungen des mittleren Reizes den obigen Ergebnissen 
widersprechen und einwurfsfrei sind. Dem gegenüber habe ich zu 
betonen, dass sie aus folgenden Gründen wenigstens von einer andern 
Seite noch eine Bestätigung erfahren müssten: 
1. Sie erstrecken sich nur bis zum Reizverhältniss 
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5. 
Infolgedessen liegt das geometrische Mittel wahrscheinlich mit nur 
einer Ausnahme im Schwellengebiet des arithmetischen und ebenso 
die wichtigsten für Rm benutzten Werthe. Die Versuche müssten 
mindestens bis zur doppelten Größe des genannten Verhältnisses 
ausgedehnt werden. 
2. Der ganze Gang der sämmtlichen Versuche könnte die 
Reagenten mehr und mehr gewöhnt haben, nach gleichen Verhält- 
1) Die Ausgleichungsrechnungen der praktischen Geometrie. Hamburg 1843.
        

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