Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Grundlagen der Mathematik, Fortsetzung
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4211/24/
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Gotti. Friedr. Lipps. 
zufassen. Die Erfahrung liefert den Stoff; das Zusammenfassen selbst 
ist aber ein Werk des Denkens und findet seine Begründung durch 
die hervorgehobenen gemeinsamen Merkmale. Da nun diese letzteren 
dem Denken als Stütze dienen, wenn es die zusammengefassten Dinge 
oder Erscheinungen zu begreifen sucht, so liegt ihre Bedeutung für 
das Begreifen des Zusammengefassten offen zu Tage und sie können 
darum, wie es üblich ist, als Inhalt des schließlich resultirenden 
Begriffs bezeichnet werden, während die zusammengefassten Objjjcte 
den Unjfang des Begriffs darstellen. Es ist aber kein Grund vor¬ 
handen, darauf besonderes Gewicht zu legen. Das Wesentliche, 
das hervorgehoben werden muss, besteht vielmehr darin, dass die 
durch das Vergleichen erlebter Bewusstseinsinhalte ge¬ 
fundenen gemeinsamen Merkmale zu einem durch das 
Denken geschaffenen und durch das Denken begründeten 
Zusammensein von Bewusstseinsinhalten im Bewusst¬ 
sein führen. 
Es kommt nun zwar, so lange man nur die Begründung des 
Zusammenseins im Auge hat, der einzelne Bewusstseinsinhalt bloß 
als Träger der gemeinsamen Merkmale in Betracht. Er bleibt aber 
dennoch was er ist und verliert seine Individualität nicht. Die¬ 
selbe kann möglicherweise auch für das Denken eine Bedeutung 
gewinnen und das Unterscheiden untergeordneter Gruppen von 
Dingen oder Erscheinungen, oder das directe Studium der lebens¬ 
vollen Wirklichkeit selbst veranlassen. Wie dem auch sein mag, 
jedenfalls ist es möglich dass an dem durch das Denken Zusammen¬ 
gefassten neben dem Gemeinsamen auch das Verschiedene Beach¬ 
tung finden kann. Dies wird zum Anlass, das Eine auf das Andere 
zu beziehen und so die Mannigfaltigkeit des dem Denken sich Dar¬ 
bietenden zu ordnen. Die im Vorhergehenden bereits hervorgehobene 
Reihenform kommt hier zur Verwendung. Denn die ordnenden 
Beziehungen kommen zu Stande, indem das Denken von dem Einen 
zu einem Anderen übergeht und so das Zusammengefasste in eine 
Reihe formt. Die Beziehungen^selbst entspringen jedoch nicht 
dieser Form, sondern den Objecten, welche allein das Interesse in 
Anspruch nehmen und den Uebergang des Denkens von dem Einen 
zu einem Anderen veranlassen. Nur durch Betrachten der Objecte 
kann es daher zur Entscheidung gebracht werden, wie das Denken
        

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