Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentalphysiologie des Nervensystems
Person:
Eckhard, Conrad
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit42/84/
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Was zunächst die Bewegungen des thierischen Körpers anlangt, so 
versteht es sich von selbst, dass sich darunter eine grosse Menge findet, 
die mit dem Nervensysteme nachweislich Nichts zu schaffen hat, wie 
z. B. die Flimmerbewegung; andere hängen so augenscheinlich von 
seinen Einflüssen ab, dass darüber kein Zweifel obwalten kann, wie z. B. 
die Contraction willkürlicher Muskeln; für noch andere endlich kann es 
zweifelhaft sein, wie sie aufzufassen sind, wie etwa gewisse Bewegungen 
des Darmes und Herzens. Hier, wo wir uns mit Nervenphysiologie 
beschäftigen, fällt die erste Art von Bewegungen für uns fort. Von den 
beiden anderen betrachten wir zunächst die der quergestreiften Skelet¬ 
muskeln und solcher glatter Muskelfasern, von denen wir wissen, dass 
sie dem Einflüsse des Nervensystems gehorchen. Bei ihrem Studium 
aber haben sich im Laufe der Zeit zwei Fragen aufgeworfen, die wir 
hier näher behandeln müssen. Die erste ist die : Ob bei ihnen auf Rei¬ 
zung ihrer Nerven die Muskeln unter allen Umständen, wie es aller¬ 
dings in der Mehrzahl der Fälle stattfindet, in den verkürzten Zustand 
übergehen, oder ob es nicht auch Fälle giebt, bei denen Verlängerung 
unter denselben Umständen eintreten kann. Diese Frage ist durch fol¬ 
gende Erfahrungen veranlasst w’orden Bei gewissen Nervenerregungen 
sieht man muskulöse Gebilde wirklich in einen Zustand der Erschlaffung 
übergehen, so bei der Erregung des N. vagus das Herz in Diastole Still¬ 
stehen, unfer gewissen Umständen bei Reizungen des N. splachnicus die 
bewegten Gedärme sich zur Ruhe begeben, ohne dass eine ihrer Muskel¬ 
gruppen sich in dauernder Zusammenziehung befindet. Bei anderen 
Nervenerregungen sieht man Erscheinungen auftreten, welche sich auf 
eine sehr einfache Weise durch die Annahme erklären lassen, dass 
gewisse Muskelgruppen in Erschlaffung gerathen seien. Hierher gehören : 
die grössere Menge von Blut, welche unter dem Einfluss von Nerven 
das männliche Glied während seiner Erection durchfliesst, oder die 
Unterkieferdrüse während ihrer Absonderung bei Reizung der Chorda 
tympani durchsetzt, das Anschwellen der venösen Gefässe des Kopfes, 
welches nach Durchschneiden des Halstheils des Grenzstranges beobachtet 
wird. Alle diese und ähnliche Erfahrungen sind aber bis jetzt nicht so 
weif mit Sicherheit zu zergliedern, dass sie den in Rede stehenden Ein¬ 
fluss der Nerven auf die Muskeln beweisen. Was im Speciellen die 
Versuche bezüglich des Herzens und der Gedärme betrifft, so liegen in 
der Substanz dieser Theile noch nervöse Apparate, deren Mitwirkung 
bei den beschriebenen Versuchen bereits höchst wahrscheinlich gemacht 
ist, so dass hier von einer directen Wirkung der gereizten Nerven auf 
die Muskelfasern mit Bestimmtheit gar keine Rede sein kann. Die 
zweile Reihe aber der angeführten Versuche umfassen so wenig Einzel-
        

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