Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentalphysiologie des Nervensystems
Person:
Eckhard, Conrad
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit42/41/
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Gebrauch, welche je nachdem sie an der Anode oder Kathode erscheinen, 
als Anionen und Kationen unterschieden werden. Je nach der Natur 
der Electrolyte und der Electroden treten nun aber in einem solchen 
Stromkreis sehr verschiedene Erscheinungen auf. 
1. Sind die Electroden und die an ihnen ausgeschiedenen Zer- 
setzungsproducte der Art, dass sich an ersteren dauernd fremde Stoffe 
ablagern, so wird durch die Adhäsion letzterer an jenen eine Aenderung 
der ursprünglichen Stromstärke bewirkt und zwar auf die doppelte 
Weise, dass entweder beide Jonen, oder, wie gewöhnlich, nur eine, 
durch besondere Leistungsgüte oder Widerstand, verglichen mit dem 
bereits im Kreise vorhandenen Widerstand, die ursprüngliche Strom¬ 
stärke ändern, oder dass jener Contact der Sitz einer neuen, besonders 
fühlbaren, electromotorischen Kraft wird. Natürlich kann auch Beides 
zugleich Vorkommen, in der Regel wirken aber die Jonen vorzugs¬ 
weise nur auf die eine oder andere Weise. Die erstere Wirkung wird 
Vebergangsioiderstand, die letztere galvanische Polarisation genannt. Als 
ein Beispiel von Uebergangswiderstand diene das schlecht leitende 
Kupferoxyd, welches sich an der positiven Electrode abscheidet, wenn 
man Schwefelsäure zwischen Kupferelectroden zersetzt. Erhöht der 
Uebergangswiderstand den bereits in der Kette vorhandenen, so heisst 
er positiv, wenn das Gegentheil stattfindet, negativ. Was die galvanische 
Polarisation anlangt, so werden, da ihre Ursache eine Combination ver¬ 
schiedener Electromotoren darstellt, ihre Eigenthümlichkeiten von all 
denjenigen Umständen abhängen, welche von Einfluss auf die electro¬ 
motorischen Kräfte sind, also namentlich von der Natur der Electroden, 
den ausgeschiedenen Zersetzungsprodùcten, sowie weiterhin auch von der 
Temperatur. In der Regel hat der durch die Polarisation erzeugte Strom 
die umgekehrte Richtung von dem, der die Zersetzung herbeiführte. Bei 
der Anwendung von eisernen Electroden in verdünnter Schwefelsäure 
hat man nach längerem Schluss der Kette den Polarisationsstrom im 
Sinne des primären laufend beobachtet; ebenso beim amalgamirten Zink 
in Brunnenwasser und beim Kupfer in Kupfervitriollösung unter An¬ 
wendung von primären Strömen geringer Intensität. Man bezeichnet die 
letztere Polarisation als positive, gegenüber der gewöhnlichen, welche 
man die negative nennt. Man stellt sich den Hergang dieser Zersetzung 
nach einer zuerst von Grotthuss gegebenen Theorie folgendermassen 
vor. Man denkt sich ein jedes Flüssigkeitsmolekül aus zwei Theilen, 
einem electronegativen und einem electropositiven zusammengesetzt. Ist 
nun, etwa so, wie es die umstehende Figur andeutet, die positive 
Electricität in dem positiven Pole bis an dessen Ende vorgedrungen, so 
werden die denselben unmittelbar berührenden Flüssigkeitstheilchen in
        

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