Bauhaus-Universität Weimar

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Gedärme beobachtete, gestehen diesem Nerven nur Hemmungswirkungen 
zu und bringen denselben in eine Kategorie mit dem N. vagus, für 
welchen dann dieselbe Wirkung exclusiv in Anspruch genommen wird; 
die anderen, Ludwig, Kupffer*), Nasse** ***)), läugnen den hemmen¬ 
den Einfluss des Nerven nicht, glauben aber auch an eine bewegende 
Natur desselben, welche bei gewissen, noch näher zu erforschenden Zu¬ 
ständen der Nerven und vielleicht auch der Gedärme zu Tage trete; 
die dritten endlich, besonders durch Schiff vertreten, halten dafür, 
dass von hemmenden WTirkungen dieses Nerven gar keine Rede sein 
könne. Von diesen Meinungen ist gegenwärtig die letztere wohl nicht 
zu empfehlen, da die hemmende Wirkung des gereizten N. splanchnicus 
eine von zu vielen Seiten her beobachtete Thatsache und die Erklärung, 
welche man von dieser zu geben versucht, um sie im Sinne der Bewe¬ 
gungshypothese des Splanchnicus sprechen zu lassen, wenig ansprechend 
ist. Der Urheber dieser Hypothese meint nämlich, dass auch der N. 
splanchnicus, gleich dem N. vagus, durch starke Ströme sehr leicht 
erschöpft werde. Es treten aber hier von Neuem all die Bedenken in 
Kraft, welche oben bei der Physiologie des Vagus zusammengestellt 
wurden. Ich muss dazu bemerken, dass ausser Herrn Schiff noch 
Niemand die die fragliche Hypothese hauptsächlich stützende Beobach¬ 
tung gemacht hat, dass eine schwache Erregung des Splanchnicus die 
Gedärme in Bewegung versetzt, eine starke dagegen sie alsbald beruhigt. 
Man kann die hemmende Wirkung dieses Nerven dadurch zeigen, 
dass man beim Kaninchen, welches sich zu diesen Versuchen am besten 
eignet, längs des Rückens einen Hautschnitt macht und dann die eine 
Electrode eines Inductionsapparates in der Höhe des fünften oder sechsten, 
die andere in der Gegend des zehnten oder elften Brustwirbels befe¬ 
stigt, hierauf die Bauchhöhle öffnet, die dann alsbald auftretenden peri¬ 
staltischen Bewegungen beobachtet und dann den lnductionsapparat in 
Gang setzt, worauf Tetanus der Skeletmuskeln und zugleich Stillstand 
der Gedärme erfolgt. Da indess bei dieser Form des Versuches die 
gereizten Nervenbahnen, nicht hinlänglich klar vorliegen, so ist es noth- 
wendig, entweder den .'Versuch-, nachdem man die N. splanchnici durch¬ 
schnitten, zu wiederholen, um sich jetzt von der Erfolglosigkeit der 
*) Kupffer und Ludwig: Die Beziehungen der Nervi vagi und splanchnici 
zur Darmbewegung. Sitzungsberichte der Wiener Academie. Juli 1857. Bd. 25. 
S. 580. und in Henle’s und Pfeuffer’s Zeitschrift für rationelle Medicin. Dritte 
Reihe. Bd. 2. S. 357. 
**) 0. Nasse: Beiträge zur Physiologie der Darmbewegung. Leipzig 1866, 
***) Schiff: Moleschott’s Untersuchungen. Bd. VI. S. 201.
        

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