Bauhaus-Universität Weimar

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die Physiologie der folgenden, besonders studirten Nerven vor. Bei 
ihrer Auswahl muss man einige Willkührlichkeiten entschuldigen, da 
zur Zeit für manche Nervenbahnen es gleich zweckmässig erscheint, sie 
hier, oder bei der Physiologie des Sympathicus abzuhandeln. 
1. Der Zwerchfellsnerv. Dieser Nerv ist gemischter Natur; denn 
ausser den motorischen Fäden für das Zwerchfell schliesst er nach 
Luschka beim Menschen noch solche ein, welche sich zum serösen 
Ueberzug der Leber begeben; ferner fand Panizza* *), dass bei Thie- 
ren seine Durchschneidung immer schmerzhaft ist. Die Trennung des¬ 
selben gefährdet das Leben der Versuchsthiere in hohem Grade; es 
tritt nach ihr beschleunigtes Athmen auf und unter Athembeschwerden 
sterben Hunde und Kaninchen meist schon am zweiten Tage. Bei der 
Section zeigen sich die Gefässe des Unterleibs mit Blut und der Nah¬ 
rungskanal mit Gasen überfüllt. 
2. Die Nerven der Blase. Die Bewegungsfasern der Blase liegen 
in den Sacralnerven. Nach Budge **) sind sie beim Hunde in dem 
dritten und vierten derselben eingeschlossen. Ihre Empfindungsnerven 
soll sie durch die Rami communicantes erhalten, welche in den Lenden- 
theil des Sympathicus eintreten. Interessant, aber der Prüfung bedürftig, 
ist die Angabe von Oehl ***), nach welcher der Nervus vagus in 
reflectorischer Beziehung zu den Bewegungsnerven der Blase stehen 
soll. Durch die Reizung des centralen Stumpfes dieses durchschnittenen 
Nerven will jener Forscher Verengerung der Blase beim Hunde erzeugt 
haben. Die Wirkung soll ausgeblieben sein, wenn vor der Reizung das 
Rückenmark an einer beliebigen Stelle zwischen dem Hinterhaupte und 
dem Lendentheil getrennt worden war. Das letztere Factum würde 
mit einer Behauptung von Budge im Einklang sein, nach welcher die 
Blasenmuskulatur vom verlängerten Mark aus erregbar sein soll. 
Wiener Academie. 1856. S. 3. — Eckhard : lieber Reflexbewegungen der letzten 
Riickenmarksnervenpaare des Frosches. Henle’s und Pfeuffer’s Zeitschrift Erste 
Reihe. Bd. 7. S. 281. Die dort gemachten Angaben über die motorischen Wurzeln 
stammen aus der Zeit vor der Entdeckung der secundären Zuckung und sind desshalb 
jetzt unbrauchbar. 
*) B. Panizza: Sul nervo frenico e sulla bolsaggine. Gaz. med. Italiana. 
Lombardia 1865. Nr. 8. p. 92. 
•*) Budge: Mémoire sur l’action du bulbe rhachidien, de la moelle épinière 
et du nerf grand Sympathique sur les mouvements de la vessie. Gaz. méd. 1863. 
Nr. 40. p. 652. und : Ueber den Einfluss des Nervensystems auf die Bewegungen der 
Blase. Henle’s und Pfeuffer’s Zeitschrift. Dritte Reihe. » Bd. XXI. S. 174. 
Bd. XXII. S. 77. 
***) Oehl: de l’influence motrice réflexe du Nerf pneumogastrique sur la vessie. 
Comptes rendus. 1865. Tome LXI. p. 340.
        

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