Bauhaus-Universität Weimar

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also für die Reflexbewegungen Bell’s Gesetz gilt. Yon den Reflexbe¬ 
wegungen, wie sie durch die Reizungen der einzelnen sensibeln Wurzeln 
erzeugt werden können, ist noch wenig bekannt. Die Sätze allgemei¬ 
nem Inhaltes sind schon oben bei der Betrachtung der Reflexbewegun¬ 
gen im Allgemeinen mitgetheit worden. Wir heben nur noch folgende 
Erfahrungen hervor. 
a) Von den empfindenden Zweigen der oberen Cervicalnerven, na¬ 
mentlich des zweiten und dritten, kann ausser auf Skeletmuskeln noch 
reflectorisch auf die Gefässe des Ohrs gewirkt werden. Dieses Factum 
hat zuerst Schiff aufgefunden, später ist die Richtigkeit dieser Angabe 
von Lovén bestätigt worden. Der letztere Beobachter sah analoger 
Weise auf Reizung des sensibeln Nervus dorsalis pedis das Lumen der 
Arteria saphena sich verändern. Mit der Art der Veränderung des 
Lumens verhält es sich so, wie es oben für den Ramus auricularis 
Nervi vagi beschrieben wurde. Man darf wohl aus diesen Erfahrungen 
schliessen, dass noch an vielen anderen Stellen des Körpers durch Erre¬ 
gungen sensitiver Rückenmarksnerven auf die Lumina der Gefässe 
reflectorisch gewirkt werden kann. Für die in der Bahn des Nervus 
pudendus communis liegenden und zur Eichel gehenden sensitiven Zweige, 
welche, soweit man aus den Thatsachen der descriptiven Anatomie schlies¬ 
sen kann, den untersten Sacralnerven angehören, wird diese Vermuthung 
durch die Erfahrung bestätigt, dass Reizung der Eichelnerven Erection 
erzeugt, welche bekanntlich in einer Beschleunigung des Blutstroms durch 
den Penis besteht. 
b) Durch die Reizung der sensitiven Fäden der Rückenmarksnerven 
kann reflectorisch auf die Herzbewegung gewirkt werden. In der Regel 
besteht diese Wirkung in einer Verminderung der Zahl der Herzschläge 
und kommt vorzugsweise durch den Nervus vagus zu Stande, da nach 
der Durchschneidung dieses Nerven die Zahl der Herzschläge während 
der Reizung sensitiver Nerven nicht abnimmt. Bisweilen nimmt sic 
sogar zu; diese Erscheinung ist aber noch nicht genügend aufgeklärt. 
Trotz der Verminderung der Zahl der Herzschläge steigt der Blutdruck 
bei diesen Versuchen, oder zeigt keine sehr merkbare Veränderung. 
Ersteres findet statt, wenn durch Arterienverengerung der Widerstand 
im Gefässsystem steigt, Letzteres, wenn neben Verengerung von Gefässen 
Erweiterung von anderen auftritt. Ebenso wird durch Reizung der in 
der Bahn des Bauchsympathicus liegenden Nervenfasern, deren Ursprung 
im Rückenmarkc liegt, auf reflectoi'ischem Wege Verlangsamung des 
Herzschlags erzeugt. An welcher Stelle des Cerebrospinalsystems der Re¬ 
flexionsapparat für diese Erscheinungen gelegen ist, hat noch nicht genau 
ausgemittelt werden können. Es ist aber derselbe nach den S. 196.
        

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