Bauhaus-Universität Weimar

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werden, und bei der Quertheilung des Herzens sei ersteres der Fall. 
Aber Differenzen, wie sie hier Vorkommen, wo also eine einfache Durch¬ 
schneidung des Vagus so gut wie gar keinen Einfluss auf die Herzbewe¬ 
gung ausübt, dagegen die Abtrennung des Sinus mit einem Theil der 
Vorhöfe langen, selbst ewigen Stillstand erzeugt, sind doch zu auffallend, 
als dass man den oben gemachten Einwand für besonders gewichtig 
halten sollte. Hierzu kommt, dass, wenn man die quere Theilung des 
Herzens in der Atrioventricularfurche oder dem ersten grossen Ganglien¬ 
haufen ausführt, in welchem die beiden Herzäste der Vagi Zusammen¬ 
treffen, kein Stillstand erzeugt wird, trotz dem, dass sich die erwähnten 
Nerven hier in denselben Beziehungen zu Ganglien finden, wie an den 
anderen Stellen ihres Verlaufs durch die Vorhöfe. Endlich ist auch das 
Wiederauftreten von Pulsationen am abgetrennten Ventrikel durchaus 
keine constant wiederkehrende Erscheinung und wird um so seltener 
beobachtet, je vollständiger der erste, grosse Ganglienhaufen des Herzens 
entfernt ist, je sorgsamer durch den Schnitt Zerrungen der beiden Atrio- 
ventricularganglien vermieden werden, und je sorgfältiger man die abge¬ 
trennten Theile vor äusseren Reizen schützt. Den letzteren dieser 
Umstände betone ich desshalb, um daran die Bemerkung zu knüpfen, 
dass, wenn ich den in der Nähe des Sinus liegenden grossen Ganglien¬ 
haufen als automatisches Erregungsorgan für die Herzbewegung ansehe, 
ich unter der letzteren nur die normale, unter denjenigen Bedingungen 
geschehende verstehe, welche im lebendigen Körper oder in Zuständen 
herrschen, die denen des vollkommnen Lebens möglichst gleich kommen, 
und dass ich nicht in Abrede stelle, dass auch die übrigen Ganglien 
des Herzens unter gewissen Bedingungen dauernde Pulsationen erzeugen, 
und dass, wenn man Lust hat, solche als automatische bezeichnet werden 
können. Für das Froschherz wurde schon mehrfach erwähnt, dass 
man den durch Quertheilung des Herzens entstandenen Stillstand des 
Ventrikels durch eine mechanische Reizung seiner Atrioventriculargang- 
lien lösen könne, und für das embryonale Vogelherz habe ich gezeigt, 
dass die auf dieselbe Art zur Ruhe gebrachten Ventrikel sich wieder 
für längere Zeit bewegen, wenn man sie einer Temperatur von c. 40° 
C. aussetzt. Der Begriff automatisch ist überhaupt ein unbestimmter 
und wird vorzugsweise nur da angewandt, wo wir ein nervöses Cen¬ 
tralorgan unter Bedingungen arbeiten sehen, welche nicht einfach und 
deutlich genug zu Tage liegen, um in physische Zustände bezeichnenden 
Worten ausgedrückt zu werden, da, wo eine Bewegung sich nicht sofort 
als einfache Reizbewegung, oder als reflectorischc ankündigt. Es knüpfen 
sich an diesen Gegenstand noch zwei andere Fragen an, nämlich, ob 
die Bewegungen der obern Hohlvenen auch von den erwähnten Gang-
        

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