Bauhaus-Universität Weimar

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die Erregbarkeit desselben in entgegengesetzter Weise und bestimmt 
dadurch die Grösse des Erfolgs des Erregungsmittels oder Reizes. Efc 
muss also auch der nach jener Theorie als Ursache der Herzbewegung 
vorausgesetzte Reiz durch constante Ströme, welche man durch den Va¬ 
gus sendet, in seinen Wirkungen geändert werden und zwar in einer 
Weise, welche sich nach den S. 101 und 102 mitgetheilten Erfahrungen 
vorausbestimmen lässt. Der Leser mache diese Ableitungen für sich 
selbst durch ; er wird sich dann sagen können, ob die folgenden Erfah¬ 
rungen im Sinne jener Vorstellung von der Wirkungsweise des Vagus 
dem Herzen gegenüber reden. Zuerst hat Moleschott *) von den 
Einflüssen constanter, durch das peripherische Stück des durchschnitte¬ 
nen Vagus geschickter Ströme berichtet. Nach ihm sollen in diesem 
Nerven absteigend gerichtete Ströme den Herzschlag vermehren, auf- 
steigende ihn vermindern. Dann hat v. B e z o 1 d **) denselben Ge¬ 
genstand vorgenommen, jedoch andere Resultate, als Moleschott, 
erhalten. Am Kaninchenherzen fand er Folgendes: Bei schwachen und 
starken absteigend im Vagus gerichteten Strömen findet eine kleine Ab¬ 
nahme der Zahl der Herzschläge statt. Sind die Ströme aufsteigend, so 
beobachtet man bei der Anwendung schwacher Stromstärken mit der 
Schliessung entweder gar keine Veränderung der Pulszahl oder eine 
Verminderung derselben, mit der Oeffnung eine deutliche Abnahme. 
Wächst bei derselben Stromesrichtung die Stromstärke, so sieht man 
beim Schluss keine Verlangsamung des Herzschlags, wohl aber eine solche 
beim Oefïnen der Kette. 
Endlich war es noch von Interesse zu wissen, wie sich wohl der 
Nervus vagus dem ruhenden Herzen gegenüber verhalten würde, indem 
man daran dachte, dass es wohl möglich sei, den Herzschlag auch 
ohne Reizung des Vagus zu sistiren. In dieser Beziehung machte 
Schelske ***) den folgenden Versuch bekannt. Wenn man das blos- 
gelegte Froschherz auf 30—33° erwärmt, so fängt es anfangs an, ein 
wenig schneller zu schlagen, dann aber werden seine Schläge seltener 
und bald steht es gänzlich in der Form der Diastole stille. Wenn man 
dann zu dieser Zeit durch den Nervus vagus einen einzigen Inductions- 
strom schickt, so führt das Herz eine einmalige Pulsation aus. Wegen 
des hohen Interesses, welches sich an diese Angabe von Schelske 
knüpfte, nicht blos für die Theorie der Vaguswirkung dem Herzen ge¬ 
genüber, sondern auch für die Aufklärung der verschiedenen Erfolge, 
*) Moleschott und Hufschmid: 1. c. S. 113. 
**) v. Bezold : Untersuchungen über die Innervation des Herzens. S. 71 ff. 
-■■■**1 Schelske: Ueber die Veränderungen der Erregbarkeit der Nerven durch 
die Wärme. Habilitationsschrift. Heidelberg 1860. S. 20 ff.
        

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