Bauhaus-Universität Weimar

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dass sich Fehler in den Reizniethoden hei Schiff und Moleschott 
unbemerkt eingeschlichen haben, wenigstens sieht man aus einzelnen 
Angaben, welche die genannten Forscher über das Arrangement mancher 
ihrer Experimente machen, sofort die Möglichkeit der Tücken electrischer 
Reizungen ein, obschon, befremdend genug, jene Forscher nicht angeben, 
wie sie sich vor denselben gesichert. 
Um die Stellung zu ermitteln, welche der Nervus vagus dem Her¬ 
zen gegenüber einnimmt, sind noch einige andere Versuche angestellt 
worden, die noch zu beschreiben sind, bevor wir zu anderen Theilen 
des Herznervensystems übergehen können. Die Erfahrungen, welche wir 
über den innigen Zusammenhang der physiologischen Leistungen der 
Nerven und ihren electrisehen Wirkungen während ihrer Thätigkeit be¬ 
sitzen, mussten in Anbetracht der eigenthümlichen Wirkungsweise des 
Nervus vagus dem Herzen gegenüber zu einer Prüfung seines Verhaltens 
im Multiplicatorkreis auffordern, während er von tetanisirenden Strömen 
durchsetzt wird. Du Bois und nach ihm v. Bezold *) haben bei Unter¬ 
suchungen über diesen Punkt keine Differenz zwischen ihm und anderen 
Nerven auffinden können. Moleschott und Hufschmid **) dagegen 
lehren, dass der Grad von Reizung, welcher den Herzschlag beschleu¬ 
nigt, immer von einer positiven oder negativen Stromschwankung begleitet 
wird, dass dagegen eine so starke Erregung, welche Verlangsamung oder 
Stillstand hervorruft, Iceine Schwankung des Nervenstromes bewirkt. Ich 
schlage mich auf die erste Seite, so lange Moleschott die oben, S. 66 
von ihm behauptete, positive Schwankung des Nervenstromes im Tetanus 
nicht von dem dort ausgesprochenen Verdachte gereinigt hat. 
Hieran schliessen sich die Erfahrungen über die Einwirkung emi- 
stanter Ströme auf den Nervus vagus. Obschon die Bedeutung dersel¬ 
ben erst nachher bei der Darlegung der Theorie der Vaguswirkung klar 
hervortreten kann, so mögen sie doch schon hier, um die experimentellen 
Thatsachen möglichst zusammengedrängt vorausgehen zu lassen, erwähnt 
werden. Ich bemerke dabei, um einstweilen ihren Werth anzudeuten, 
dass sie wesentlich zur Prüfung einer besonderen Hypothese über die 
Stellung des Vagus dem Herzen gegenüber angestellt worden sind, nach 
welcher sich vorgestellt wird, dass die Herzbewegung in der Art. zu 
Stande komme, dass die in der Herzmuskulatur sich verzweigenden Via- 
gusäste durch das Blut zur Innervation angeregt würden. Bekanntlich 
verändert nun ein constanter Strom, wenn er durch einen Nerven ffiesst, 
*) y. Bezold 1. C. S. 144. ' 
**) Moleschott und Hufschmid: Experimenteller Beweis der Theorie, nach 
welcher der Vagus ein Bewegungsnerv des Herzens ist; in : Moleschott’s Unter¬ 
suchungen etc, Bd. 8. S. 72.
        

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