Bauhaus-Universität Weimar

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thierischen Organismus steht aber keiner, wie es scheint, in innigerem 
Verkehr mit dem Centrum der Athembewegungen, als.der Nervus vagus; 
von den durch ihn bewirkten Aenderungen der Athembewegungen soll 
jedoch erst später bei der speciellen Physiologie dieses wichtigen Nerven 
die Rede sein. Was endlich die Art und Weise betrifft, in welcher der 
Gasgehalt des Blutes die automatische Wirkung des Athmungscentrums 
bestimmt, so sind folgende Erfahrungen gemacht worden. Vorher muss 
jedoch bemerkt werden, dass nicht durch alle hierher gezogene Versuche 
streng erwiesen ist, dass ein veränderter Gasgehalt des Blutes die ihm 
folgenden Aenderungen der Athembewegungen lediglich durch seine 
directe Wirkung auf das Centralorgan der Athembewegungen zu Stande 
bringe, indem in manchen diejenigen Umstände, von denen nachweiss- 
lich die zeitliche Vertheilung der Athembewegungen mit abhängt, wie 
die vorher erwähnten Hautnerven und der Nervus vagus, in ihrer Ver¬ 
bindung mit der Medulla oblongata nicht gelöst waren, also auch durch 
sie hin das veränderte Blut auf die crstere wirken konnte. Man weiss 
nun, dass es wesentlich der Sauerstoffgehalt des Blutes und weniger die 
Kohlensäure desselben ist, welcher den Athmungsrhythmus bestimmt. 
Zufolge verschiedener Erfahrungen von Traube *), Rosenthal **) 
und W. Müller '***) erzeugt Mangel des Sauerstoffs beschleunigte 
Athembewegungen, wesshalb man die Beziehung dieses Blutbestandtheils 
zum verlängerten Mark jetzt gewöhnlich so ausdrückt, dass sein Mangel 
Reiz, sein reichliches Vorhandensein Hinderniss für die Anregung der 
Athembewegung sei. Zur Verhütung von Missverständnissen muss jedoch 
noch hinzugefügt werden, dass, wenn die Armuth an Sauerstoff eine 
gewisse Grenze überschreitet, wieder Verlangsamung der Athembewe¬ 
gungen eintritt, vielleicht desshalb, weil den Athmungsmechanismen die 
gebührende Krafterzeugung fehlt, und dass ferner, wenn die vorhandene 
Sauerstoffmenge so weit herabsinkt, dass die zum Leben nothw.endigen 
chemischen Vorgänge nicht mehr stattfinden können, die Athembewe¬ 
gungen vollständig erlöschen. Dagegen zeigt sich, unter der Voraus¬ 
setzung natürlich, es fehle dem Blute überhaupt nicht an dem zum Leben 
nöthigen Sauerstoff, dass die Kohlensäure im Blute beträchtlich steigen 
kann, ohne dass eine Aenderung in der Athemfolge eintritt. Traube 
*) Marcuse: de suffocationis imminentis causio et curatiune. Berol. 1858. 
**) Rosenthal: Studien über Athembewegungen. Archiv für Anatomie und 
Physiologie etc. Herausg. von Reic.hert und du Bois-Rey m on d. 1854. S. 456. 
***) \y, Müller: Beiträge zur Theorie der Respiration. Sitzungsberichte der 
mathematisch - naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Academie der Wissen¬ 
schaften. 33. Bd. S. 110. Wien 1859.
        

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