Bauhaus-Universität Weimar

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geben nämlich an, dass bei Hunden, deren centraler Theil des Lingualis 
mit dem peripherischen des Hypoglossus auf einer Seite zusammengeheilt 
war, unmittelbar nach der Durchschneidung des Hypoglossus der ande¬ 
ren Seite die Zunge nicht mehr hervorgestreckt werden konnte; mit 
anderen Worten, es konnte die Zungenmuskulatur, obschon der Hypo¬ 
glossus einer Seite leistungsfähig mit dem Hirnende des Lingualis zusam¬ 
mengeheilt war, doch vom Gehirn aus nicht in Bewegung versetzt wer¬ 
den. Nehmen wir an, diese Versuche seien richtig, so würden sie darauf 
hindeuten, dass die durch den Lingualis vermittelten Empfindungen und 
die durch den Hypoglossus geschehenden willkührlich motorischen Wir¬ 
kungen innerhalb des Gehirns durch Glieder oder in der Weise Zusam¬ 
menhängen, dass von ihrem gemeinsamen Punkte im- Bewusstsein aus 
nicht jeder der beiden gedachten Nerven in doppelter Richtung erreg¬ 
bar sei. Für einen mit dem peripherischen Ende des Lingualis 
uzsammengeheiltcn centralen Hypoglossusstumpf sind keine analogen Er¬ 
fahrungen bekannt. Jedenfalls sind weitere Versuche in dieser Richtung 
anzustellen ; denn sie versprechen zum mindesten einige Aufklärung 
über den Modus, nach welchem innerhalb des Gehirns der Empfindung 
und der willkührlichen Bewegung dienende Glieder mit einander ver¬ 
bunden sind. 
Die automatischen Thätigkeiten des Gehirns sind der Zahl nach 
gering, bezüglich ihrer Tragweite aber für das Bestehen des Organismus 
von fundamentaler Bedeutung. Die Bezeichnung selbst ist keine sehr 
zweckmässige; man will damit sagen, dass gewissen Hirntheilen eine 
Art Thätigkeiten zukomme, von denen weder zu erweisen sei, dass 
sie durch den Willen erzeugt würden, noch dass sie als unmittelbare 
Folgen äusserer Reize auftreten. Wenn nun auch diese Aeusserungen 
der Hirnmasse spontan auftreten, und also ihre Ursachen nicht so unmit¬ 
telbar der Anschauung zugänglich sind, so muss man sich doch zeitig 
daran gewöhnen, jenen Ausdruck nur für einen provisorischen zu halten, 
welcher in dem Masse bedeutungsloser wird, als es der Physiologie 
gelingt, den ^omplex von Ursachen aufzudecken, durch deren Zusam¬ 
menwirken jene Automatic zu Stande kommt. Als automatische Thätig¬ 
keiten des Gehirns führt die Physiologie zur Zeit die Athembewegungen 
und gewisse Schluckbewegungen auf, für deren Zustandekommen sie bis 
jetzt nicht die Anwesenheit eines äusseren Reizes für nothwendig erkannt 
hat. Da von den letzteren nicht mehr als ihre Existenz und selbst 
diese nur zweifelhaft bekannt ist, so beschäftigen wir uns nur mit den 
ersteren. 
Erfahrungsgemäss hängen die Athembewegungen dergestalt vom 
Gehirn ab, dass sie nach der Zerstörung einer bestimmten Stelle
        

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