Bauhaus-Universität Weimar

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Die letztere Methode ist vorzuziehen, da auf diese Weise nicht allein die 
Empfindungen auf enge Stellen beschränkt und in Folge davon leichter 
auffassbar sind, sondern auch die störenden Muskelzuckungen der Glieder 
-wegfallen, die bei der Anwendung von stärkern Ketten nie fehlen. 
Ausser der erwähnten allgemeinen Thatsacbe, die für alle Sinnesnerven 
gilt, steht für die Hautnerven weiter fest, dass die Schmerzempfindung 
beim Schluss eines absteigenden und der Oefinung eines aufsteigenden 
Stromes mittlerer Stärke stets an dem Punkte lebhafter ist, wo der po¬ 
sitive Strom austritt. Ob dies für Ströme beliebiger Stärken oder nur 
für die angegebenen gilt, ist noch nicht hinreichend ermittelt, üebrigens 
liegen in der Literatur Zeugnisse, namentlich von Ritter vor, dass mit 
wachsenden Stromstärken ein Wechsel der Erscheinungen vorkomme. 
Ebenso sind endlich für die Gefühlsnerven Modificationen der Erregbar¬ 
keit durch geschlossene Ketten bekannt. Aus älterer Zeit bringt Ritter, 
aus neuerer Rosenthal *) Zeugnisse dafür bei, welche dahin lauten, 
dass jeder Strom, wenn er längere Zeit einen Empfindungsnerven durch- 
fliesst, diesen in einen solchen Zustand versetzt, dass die Oefinung der 
angewendeten Stromesrichtung und die Schliessung der entgegengesetzten 
stärkere Empfindungen auslösen, als die Schliessung des ersteren und 
Oefinung des letzteren, d) Was die électrischen Erregungen des Ge¬ 
ruchs- und Gehörnerven anlangt, so hat die Neuzeit sich mit ihnen we¬ 
niger beschäftigt; hauptsächlich aus dem Grunde, dass eine einigermassen 
isolirte, rein electrische Erregung dieser Sinnesnerven nicht thunlich ist. 
Die Gefahr, dass sich mit den zu gewärtigenden ächten Empfindungen 
andere, durch den Strom erzeugte mischen, wie etwa: entstehende Muskel¬ 
geräusche, oder direct durch den Strom bewirkte Erschütterungen in den 
festen Theilen des Kopfes, die stechenden Empfindungen in der Nase in 
Folge des gereizten Trigemeninus, die mögliche Erzeugung von Ozon 
und der durch dasselbe bewirkten Geruchsempfindung, hat von der wei¬ 
teren Untersuchung der electrisclien Geruchs- und Gehörsempfindungen 
vorerst abgehalten. Es sind uns ältere Angaben über diese beiden Sinnes¬ 
nerven bekannt; wir können dieselben aber, da sie nicht frei von mancherlei 
Einwürfen sind, hier übergehen. Hiermit schliesst sich die Lehre von der 
Reizung der Nerven ab. Wir wollen aber an sie noch die Besprechung eines 
allgemeinen, wichtigen Punktes der Nervenphysiologie knüpfen, zu dessen 
Discussion die bisherigen Erfahrungen ein wichtige^ Moment bilden, ich 
meine die Frage über die Richtungen, nach welchen h, in einer Nerven¬ 
faser der erregte Innervationsvorgang fortgepflanzt wire, 
®) Rosenthal: Ueber die Modificationen der Erregbarkeit durch geschlossene 
Ketten etc. Henle’s und Pfeuffer’s Zeitschrift. Dritte Reihe. Bd. IV. 1858. S. 117.
        

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