Bauhaus-Universität Weimar

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sich nicht aut eine andere unter den Umständen der Beobachtung auf¬ 
tretende Ursache zurückführen lassen, muss meine Vorstellung verlassen 
werden. 
§• 16. 
Die Reizung der Sinnesnerven. 
Wir hatten uns oben aus guten Gründen behufs einer Untersuchung 
über das Wesen des Innervationsvorganges für die Anwendung motori¬ 
scher Nerven und ihrer Muskeln entschieden. Obschon bei dem Ent¬ 
wurf unserer Vorstellung über die Innervationsvorgänge uns wesentlich 
die in den letzten Paragraphen abgehandelten Erscheinungen führen 
sollen; so wird es doch nützlich sein, wenn wir hier auch einen Blick 
auf die Erregungen sensitiver Nerven werfen. Mag auch das Prüfungs¬ 
organ auf die in dieser Nervenfaserklasse erzeugten Innervationsvorgänge 
der objectiven Aussagen entbehren, deren wir uns beim Muskel zu erfreuen 
hatten; so eröffnet uns ihr Studium doch eine doppelte Aussicht. Wir 
finden entweder gewisse Züge der frühem Beizung auch in diesem 
Gebiete wieder, oder es treten uns neue Phänomene entgegen, die mit 
den bekannten Nichts gemein haben. Beides wird uns nützlich sein. 
Das erstere Ergebniss würde zu einer festeren Begründung der An¬ 
schauungen führen, welche wir aus dem früheren Beobachtungsmaterial 
entwickeln müssen; das andere wird uns vor Einseitigkeit schützen und 
zum mindesten Vorsicht in der Ausdruckweise anrathen. — Für die 
Sinnesnerven ist nun anzumerken : 1 ) Dass für ihr Gebiet Bewegungen 
der Natur zu Beizen werden, welche es für die Muskelnerven nicht sind. 
Das Licht, periodische Luftschwingungen, flüchtige, in der Atmosphäre 
vertheilte Körper, welche sämmtlich den motorischen Nerven unerregt 
lassen, sind für die Sinnesnerven ebenso viele Ursachen der Erregung. 
Wir können nun zwar nicht genau wissen, ob durch jene Bewegungen 
die Faserklasse, welche uns bisher beschäftigt hat, gar nicht in Erregung 
verfällt; wir schliessen nur auf die Abwesenheit der letzteren aus dem 
Fehlen der Zuckung. Möglich wäre schon, dass ihre inneren Zustände sich 
unter dem Einflüsse der jetzigen Einwirkungen gleichfalls ändern, dass aber 
das Prüfungsorgan auf sie aus irgend welchen Gründen nicht antwortet. 
Indess ist diese Annahme unwahrscheinlich, wenigstens, wenn man sie so 
ganz allgemein hinstellt, da Erfahrungen vorhanden sind, welche andeuten, 
dass die erwähnte Eigenschaft den Sinnesnerven nur aus dem Grunde zu¬ 
kommt, weil an ihren peripherischen Enden Organe vorhanden sind, durch 
welche gerade jene Bewegungen Erregungen in den Nerven hervorrufen. 
Treffen jene Bewegungen den sensitiven Nerven ohne dieses Endorgan,
        

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