Bauhaus-Universität Weimar

ausgesetzt wird, zwei von einander zu sondernde Vorgänge in der electri- 
schen Beschaffenheit des Nerven geschehen, nämlich der electrotonische 
Zustand, und die negative Schwankung des Nervenstromes. Von der letz¬ 
tem wissen wir ferner, dass ihre Grösse im Vergleich zum electrotoni- 
schen Zustand sehr gering ist, indem es ja ganz besonderer Vorkehrungen 
bedurfte, um sie nur vom Electrotonus zu sondern, ja überhaupt zu ent¬ 
decken. Man findet es daher wahrscheinlich, dass die secundäre Zuckung 
ihren Ursprung dem Auftreten und Verschwinden des electrotonischen 
Zustandes verdanke. Da ferner die Kunstgriffe, die negative Schwan¬ 
kung des Nervenstromes darzulegen, darin bestanden, die den Nerven 
treffende Ströme so kurz als nur immer möglich andauern zu lassen; so 
ergiebt sich, dass nur Schliessung und Oeffnung die negative Schwan¬ 
kung erzeugen. Nun kann man aber auch die secundäre Zuckung auf 
folgende Art zeigen. Man erzeugt an einem Nervenstück Electrotonus 
und fugt den mittelbar zu erregenden Nerven mit seinem Muskel erst 
nachher an, also zu einer Zeit, wo die negative Schwankung des unmit¬ 
telbar erregten Nerven bereits vorüber ist. Wir halten uns somit über¬ 
zeugt, dass in der That die secundäre Zuckung vom Nerven aus vom 
Electrotonus herrührt. Um den Hergang mehr im Einzelnen zu verfolgen, 
lese man die früheren Bemerkungen über den secundär electrotonischen 
Zustand nach. Wie dort die vom Electrotonus des unmittelbar erregten 
Nerven herrührenden Strömchen den anliegenden Nerven in secundär 
electrotonischen Zustand versetzen, so auch hier; zugleich aber wird in 
dem Moment, wo sie sich herstellen, der Zuckungen erregende Vorgang 
erzeugt, und weil ein Muskel vorhanden ist, dieser zur Zuckung veran¬ 
lasst. Man findet übrigens die genannte Ansicht über den Grund der 
secundären Zuckung noch in Uebereinstimmung mit folgenden drei Um¬ 
ständen : erstlich fällt Jecj^m, der nur einmal flüchtig die Erscheinungen 
des Electronus im Multiplicator mit der negativen Schwankung verglich, 
die Schnelligkeit, mit welcher jener der Trägheit dieser gegenüber her¬ 
einbricht, auf ; sodann aber vermögen wir durch mechanische, chemische 
und thermische Reizung zwar die negative Schwankung des Nervenstro¬ 
mes, aber niemals secundäre Zuckung herzorzurufen. Nach diesen Erör¬ 
terungen über das Wesen der secundären Zuckungen vom Nerven aus 
wird man erkennen, dass das Gesetz der isolirten Leitung, oder besser, 
der isolirten Fortpflanzung des Innervationsvorganges keineswegs durch 
die Existenz dieser Zuckungsart berührt wird, denn der erregte Inner- 
vationsvorgang ist es nicht, welcher sich von einer Nervenfaser aus auf 
eine andere überträgt; es führt die electrische Reizungsart nur ein für 
nachbarliche Nervenfasern als Reiz dienendes Verhalten des ursprünglich 
getroffenen Nerven mit sich. 
Eckhard, Nervenphysiologie. 
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