Bauhaus-Universität Weimar

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den sogenannter Ritt ersehen Oeffnungs-Totanus analysirt. Ritter 
beobachtete nämlich, dass, wenn Nerven längere Zeit, eine Minute und 
länger, von aufsteigenden Strömen durchflossen worden sind, der Oeff- 
nung nicht eine einmalige Zuckung, sondern ein, kürzere oder längere 
Zeit andauernder, Tetanus folgt. Später hat man erkannt, dass dies nur 
bei sehr schwachen Strömen eintritt, dann aber auch bei absteigender 
Richtung beobachtet wird. Hält man nun daran fest, dass das Verschwinden 
des Anelectrotonus Reiz sei, so muss, da selbstverständlich der Oeffnungs- 
Totanus nur durch das Verschwinden jenes zuStande kommen kann, bei 
vorheriger aufsteigender Stromesrichtung der Tetanus beim Durchschnei¬ 
den des Nerven zwischen den Electroden nicht schwinden, wohl aber, 
wenn vorher die absteigende Richtung angewendet worden war; denn 
im letzteren Fall wird die reizende, anelectrotonisirte Strecke entfernt. 
Die Erfahrung bestätigt dies. 
9. die besondern Einwirkungen, welchen man die Nerven unmittel¬ 
bar vor der Application von Reizen aussetzt. Es lässt sich erwarten, 
dass, wenn auf den Nerven irgend äussere Einwirkungen geschehen, diese 
gewisse, längere oder kürzere Zeit andauernde Veränderungen hervor- 
rufen, so dass in Folge des Fortbestehens derselben zur Zeit, während 
welcher man den Nerven reizt, das Resultat einer solchen Reizung, je 
nach der noch bestehenden Art und des noch bestehenden Grades der 
Veränderung, sehr verschieden ausfällt. Bei der Anwendung chemischer 
Mittel hat man dies, wie wir bei der thermischen und chemischen 
Reizung der motorischen Nerven sehen werden, beobachtet. Besonders 
deutlich aber ist auch hier der Erfolg bei electrischen Einwirkungen. 
Jede electrische Einwirkung ändert nach ihrem Aufhören für eine be¬ 
stimmte Zeit die Erregbarkeit des Nerven. Man nennt diese Ver¬ 
änderungen seit langer Zeit die Modißcationen der Erregbarkeit durch 
geschlossene Ketten. Die ersten Wahrnehmungen von Erscheinungen 
dieser Art reichen bis in das Ende des vorigen Jahrhunderts hinauf, 
zu welcher Zeit sie besonders von Ritter studirt worden sind. Seit 
jener Zeit sind sie vielfach wieder vorgenommen worden. Da wir hier 
keine Geschichte der Entdeckungen im Gebiete des Nervensystems geben, 
so übergehen wir alle diese Bestrebungen und halten uns nur an die¬ 
jenigen Kenntnisse, welche mit den besten, zur Zeit bekannten Unter¬ 
suchungsmitteln erworben worden sind. Besonders nachtheilig griffen in 
die frühem Versuche die polarisirbaren Electroden ein. Was mit Hülfe 
unpolarisirbarer Electroden gewonnen worden ist, beschränkt sich der 
Hauptsache nach auf Folgendes: a) Als Pflüger die unter der vori¬ 
gen Nummer beschriebenen Erfahrungen machte, nahm er wahr, dass 
nach dem Verschwinden des Anelectrotonus noch für eine bestimmte
        

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