Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theoretische und experimentelle Begründung der Fehlermethode
Person:
Merkel, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4188/13/
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Julius Merkel. 
Untersuchungen angestellt, welche ich in meinen Abhandlungen 
über die Abhängigkeit zwischen Reiz und Empfindung z. Th. mit 
verwerthet habe. Ich habe auch bereits Vorarbeiten zu umfassen¬ 
deren Untersuchungen namentlich über die Anwendung der Fehler¬ 
methoden zur Bestimmung der mittleren Abstufung ausgeführt. 
Andererseits habe ich auch der Theorie dieser Methoden fortgesetzt 
meine Aufmerksamkeit gewidmet. 
Da ich nicht weiß, wie lange noch ein gewisser Abschluss 
meiner experimentellen Untersuchungen währen wird, so gebe ich. 
gestützt auf bereits vorliegende Versuche, denen ja, soweit sie nicht 
von mir herriihren, eine größere Beweiskraft innewohnt, eine um¬ 
fassende theoretische und experimentelle Begründung der Fehler¬ 
methoden, eine Begründung, die hinsichtlich ihres theoretischen 
Theiles kaum noch Lücken aufweisen dürfte. Ich hege die Hoff¬ 
nung, dass diese Methoden von anderer Seite eine weitere experi¬ 
mentelle Prüfung erfahren möchten. Freilich möchte ich im Hin¬ 
blick auf gewisse neuere Veröffentlichungen auf dem Gebiete der 
Psychophysik darauf hinweisen, dass 20 Versuche zu einer Prüfung 
nicht hinreichen, dass hier vielmehr das Gesetz der großen Zahlen 
herrscht. Das Arbeitsfeld, welches diese Methoden eröffnen, ist so 
ausgedehnt, dass ein sicheres Ziel nur mit vereinten Kräften zu 
erreichen ist. Es geht auch noch ein anderer unheilvoller Zug 
durch die neuere und neueste psychophysische Literatur. Er zeigt 
sich am auffallendsten in den verschiedenen neuen Grundlegungen 
der Psychophysik. Eine solche neue Grundlegung würde ja ein 
verdienstliches Unternehmen sein, wenn der Bau morsch und ver¬ 
altet wäre. Aber weder ist letzteres der Fall, noch ist es nöthig, 
alle Bausteine des Gebäudes zu verwerfen. Es muss zweifellos als 
Aufgabe jedes experimentellen Forschers angesehen werden, die 
vorhandenen Untersuchungen zu beachten und, wenn sich Ab¬ 
weichungen ergeben oder gar wesentlich andere Ergebnisse heraus¬ 
steilen, nach den Ursachen zu forschen. Es darf sich nicht um 
ein planloses Niederreißen handeln, sondern es soll die vorsichtig 
bessernde Hand angelegt werden.
        

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