Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Relativitätsprincip in Herbert Spencer's psychologischer Entwicklungslehre
Person:
Pace, Edward A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4187/66/
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Edward Pace. 
sogenannten »Double-Aspect Theory«1) und des Princips, dass die 
Bewegung die »Linea minoris resistentiae « einschlägt, knüpft 
Spencer sowohl die Entwicklung des Nervensystems wie die Ent¬ 
wicklung der begleitenden psychischen Vorgänge an die allgemeine 
Evolution an. Ohne hier auf die kühnen Hypothesen einzugehen, 
welche sich mit wohlbekannten Thatsachen der Physiologie und der 
Psychologie in dieser Ausführung verweben, bemerken wir nur, dass, 
da ein »Aspect« einen »Aspiciens« voraussetzt, wir nochmals auf 
den intellectualistischen Standpunkt zurückgeführt werden. Somit 
treten drei Factoren auf: der physiologische Vorgang, der psychische 
Vorgang als nicht-subjectiv, und endlich der psychische Vorgang, 
insofern dieser zugleich bewusst und subjectiv sich dem Evolutions¬ 
gesetz entzieht. Wenn aber die geistigen Processe, wie wir sie im 
Bewusstsein erkennen, nicht als eine Folgerung aus der Dauer der 
Kraft zu erklären sind, und wenn andererseits sich die physischen 
Bewegungen, wie auch Spencer gesteht, keineswegs in psychische 
Ereignisse umzuwandeln vermögen, so ist es kaum zu verstehen, 
woher diese »objectiven« Bewusstseinszustände irgend eine Wirklich¬ 
keit erhalten. Den physiologischen Vorgängen sprechen wir mit 
Recht eine Realität zu ; eine Abstraction aber können wir nicht als 
die Kehrseite derselben ansehen. 
Angenommen auch, dass diese Fiction dem psychologischen 
Schematismus ein gewisses Interesse darbietet, so ist ihre Anwen¬ 
dung fehlerhaft da, wo es sich um die Vereinigung des Subjects 
und des Objects zu einer letzten Realität handelt. Denn diese Auf¬ 
gabe ist schon dadurch genügend erschwert, dass das Subject seinem 
Wesen nach unerkennbar ist; um so mehr sollen wir bei der Frage 
nach der Gesetzmäßigkeit seiner Erscheinungen an diesen, wie sie 
uns thatsächlich gegeben sind, festhalten. 
Uebrigens scheint Spencer auch dieser Meinung beizupflichten, 
indem er die »objective Psychologie« von der » subjectiven« abhängen 
lässt. »Die objective Psychologie«, sagt er, »als solche kann keine 
Existenz haben, ohne ihre Thatsachen von der subjectiven Psycho- 
1) Eine Erörterung dieser Theorie findet man bei Guthrie: On Mr. Spencer’s 
Unification of knowledge. London 1882. p. 221 ff. Angemessener vielleicht für 
den ganzen Umfang der Spencer’schen Lehre wäre der Ausdruck »Triple Aspect«.
        

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