Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Relativitätsprincip in Herbert Spencer's psychologischer Entwicklungslehre
Person:
Pace, Edward A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4187/35/
Das Relativitätsprincip in Herbert Spencer's psychologischer Entwicklungslehre. 521 
Zustände lassen sich nicht immer aufzeigen. Dagegen ist das 
schwache Aggregat nur theilweise vom lebhaften unabhängig; seine 
Gesetze rühren zum Theil von jenem, zum Theil von ihm seihst 
her; und die Antecedentien seiner Zustände sind stets aufzuzeigen. 
In ihren Eigenschaften, in der Ordnung ihrer Gleichzeitigkeit und 
in der Ordnung ihrer Nacheinanderfolge sind die schwachen Zu¬ 
stände unter dem Einfluss des Willens veränderlich, während die 
lebhaften in allen diesen Beziehungen dem Willenseinfluss entgehen. 
So entsteht aus diesem Gegensatz der beiden Classen »ein Unter¬ 
schied, der alle anderen Unterschiede übersteigt« (II. 464). 
Die Gemüthsbewegungen lassen sich, ihrer Intensität nach, 
nicht classificiren; mit Rücksicht aber auf ihre Gesetze, die Auf- 
zeigung ihrer Antecedentien und ihre Begrenzung gehören sie dem 
schwachen Aggregat an. Von Bedeutung ist die Thatsache, dass 
die Gemüthsbewegungen die musculäre Contraction und dadurch 
die Bewegung des Körpers erregen. So lange keine Gemüthsbe- 
wegung entstanden ist, gehört auch der Körper zu dem lebhaften 
Aggregat. Wenn ich aber, in Folge einer Gemüthsbewegung, z. B. 
spreche, dann bilden die Klänge zwar einen Theil desselben Aggre¬ 
gats, von den anderen Klängen unterscheiden sie sich aber dadurch, 
dass sie von der schwachen Reihe abhängig sind. Führe ich andere 
Bewegungen aus, so überzeuge ich mich, dass ein gewisser Theil 
des lebhaften Aggregats auf irgend eine Weise mit dbm schwachen 
Aggregat zusammenhängt. Eigenthümlich in diesem Theil ist es, 
dass er immer gegenwärtig ist, dass seine Zustände einen besonde¬ 
ren Zusammenhang besitzen, dass seine Grenze und seine Gesetze 
ziemlich wohl bekannt sind. 
Fernerhin, vermittelst der Aenderungen in diesem Theil können 
besondere Aenderungen in den übrigen Theilen des lebhaften 
Aggregats hervorgerufen werden. Solche Aenderungen sind ent¬ 
weder relativ — z. B. wenn ich durch das Schließen und Oeffnen 
der Augen das Gesichtsfeld verschwinden und wiederkehren lasse — 
oder absolut — z. B. wenn ich einen Gegenstand in Bewegung 
setze. »So lässt sich das Ganze meines Bewusstseins theilen: in 
ein schwaches Aggregat, welches ich meinen Geist nenne ; in einen 
besonderen Theil des lebhaften Aggregats, der mit dem ersten ver¬ 
schiedenartig zusammenhängt und den ich meinen Körper nenne; 
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