Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Relativitätsprincip in Herbert Spencer's psychologischer Entwicklungslehre
Person:
Pace, Edward A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4187/30/
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Edward Pace. 
Zusammenhang proportional wird; und da in der Umgebung ver¬ 
schiedene Stufen der Persistenz vorhanden sind, so fragt es sich, 
auf welche Weise die Grade des inneren Zusammenhangs festgestellt 
werden. Ist diese Uebereinstimmung das Resultat einer »prästabi- 
lirten Harmonie«, oder ist sie ein Product der Erfahrung? Spen¬ 
cer verwirft die Leibniz’sche Hypothese ; und wenn er überhaupt 
den Geist als einen »Spiegel der Welt« betrachtet, so ist zunächst 
der Spiegel ein sehr unebener, und die Bilder, statt von Anfang an 
auch in dunklem Umriss darin zu sein, werden von der Außenwelt 
allmählich eingeprägt. »Die äußeren Beziehungen bringen die 
inneren Beziehungen hervor«. Selbst diejenigen Verbindungen, 
welche für das Individuum anscheinend » prästabilirt « sind — die 
automatischen Zusammenhänge, welche der Erfahrung vorangehen — 
sind doch durch die Vererbung zu erklären. Damit ist das Gesetz, 
welches wir suchen, dies: »dass, wenn irgend zwei psychische Zu¬ 
stände unmittelbar nach einander folgen, eine solche Wirkung 
hervorgehracht wird, dass, hei einer späteren Wiederkehr des 
ersten, im zweiten eine gewisse Tendenz ist, darauf zu folgen« 
(1.425). 
Hiermit haben wir einen Leitfaden durch die ganze psychische 
Entwickelung. In den einfachen Reflexen »ist der innere Zusam¬ 
menhang der psychischen Zustände ebenso dauerhaft wie die äußere 
Beziehung zwischen Attributen«. Die Reflexe sind zwar eine Art 
von Uehergangsstufe zwischen dem rein physischen Lehen und dem 
psychischen: erfüllen sie doch die ursprüngliche Bedingung des 
Bewusstseins, indem sie jene Altemirung von zwei Zuständen, 
welche alle Formen des Denkens bildet, deutlich herstellen. Aus 
den Reflexen gehen nun die höheren Thätigkeiten hervor. Je com- 
plexer die äußeren Erscheinungen, um so seltener werden sie ; daher 
werden sie keineswegs so häufig in der Erfahrung gegeben als die 
einfachen. Da aber der Grad der Festigkeit des Zusammenhangs 
von der Zahl der Erfahrungen abhängt, so werden die Triebe, in¬ 
dem sie eine gewisse Complexität erreichen, minder fest verbunden; 
d. h. sie werden nicht mehr völlig coordinirt, sondern sie werden 
weniger automatisch und wandeln sich dadurch in »Etwas höheres« 
um. Auf diesem Princip ruht nun die weitere Entwicklung. »Bruch¬ 
stücke der Anpassung«, so dürfen wir mit einem Wort Gedächtniss
        

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