Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Relativitätsprincip in Herbert Spencer's psychologischer Entwicklungslehre
Person:
Pace, Edward A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4187/23/
Das Relativitätsprincip in Herbert Spencer’s psychologischer Entwicklungslehre. 509 
stellen können, bedeutet, dass wir die Wechselwirkung der nervösen 
Structuren, welche eine unendliche Anzahl von Erfahrungen ent¬ 
wickelt hat, nicht umzukehren vermögen. Somit nimmt Spencer 
eine mittlere Stelle zwischen dem geläufigen Empirismus und dem 
Apriorismus ein. Für ihn behält die individuelle Erfahrung ihren 
Werth im vollsten Maße bei, wird aber erweitert und verstärkt 
durch die Vererbung. Gerade die Uebernahme einer schon be¬ 
festigten Erfahrung gibt dem Individuum jene bestimmte Richtung, 
welche Leibniz durch die »prästabilirte Harmonie«, Kant aber 
durch die Anschauungsformen vergebens zu erklären versucht 
hatten. »Indem wir diese Thatsache der Intelligenz als a priori 
für das Individuum, als a posteriori aber für die ganze Reihe von 
Individuen, von denen der Einzelne ein letztes Glied ist, be¬ 
trachten, entgehen wir den Schwierigkeiten der beiden Hypothesen«. 
(II. 195.) i) 
Das Misslingen dieses Vermittelungsversuches hat seinen Grund 
principiell darin, dass er ein logisches Problem durch eine psycho¬ 
logische oder sogar eine biologische Antwort zu lösen strebt. Der 
Umstand; dass unsere Begriffsbildung nicht bei dem uns psychologisch 
Gegebenen stehen bleibt, und'trotzdem eine innere Nothwendigkeit 
erreicht, deutet schon darauf hin, dass nicht die Häufung von Er¬ 
fahrungen, sondern ihre Bearbeitung durch das logische Denken 
den Zusammenhang zwischen Subject und Prädicat feststellt. 
Spencer selbst, sobald es sich um die Erkenntniss dieser 
Nothwendigkeit handelt, schreibt auch dem Denken eine bedeutende 
Rolle zu. »Bevor eine Wahrheit als nothwendig erkannt werden 
kann, müssen zwei Bedingungen erfüllt werden. Es muss eine 
geistige »Structur« geben, welche die Elemente (terms) des Urtheils 
und die zwischen denselben behauptete Relation zu begreifen fähig 
1) Hoff ding hat schon bemerkt : »Sagt man à priori für das Individuum, 
so muss man auch sagen a priori für das ganze Geschlecht, denn es handelt 
sich hier um ein aus der Natur der Sache hervorgehendes Grundverhältniss, nicht 
um eine Zufälligkeit, die sich anders beim Individuum als hei dem Geschlecht 
im allgemeinen verhält. »Geschlecht« ist ja außerdem eine relative Bestimmung, 
sie kann wieder als Individuum im Yerhältniss zu einer umfassenderen Gruppe 
aufgefasst werden, und so fort bis ins Unendliche.« Einleitung in die englische 
Philosophie unserer Zeit. Deutsch von H. Kurella. Leipzig 1889. S. 222.
        

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