Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Schätzung von Schallintensitäten nach der Methode der mittleren Abstufungen
Person:
Angell, Frank
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4184/6/
Untersuchungen über die Schätzung von Schallintensitäten etc. 419 
und quantitativen Bestimmungen des Glücks zu verschieden sind 
von den verhältnissmäßig einfachen Bedingungen des Weher’sehen 
Gesetzes, als dass man von ihnen aus auf letzteres als Analogon 
schließen kann. Es ist, wie Delboeuf sagt, » une application 
toute abstraite des mathématiques«1), und es ist so auf dieselbe 
Linie zu setzen wie eine andere berühmte Berechnung von Laplace, 
nämlich die Chance des Wiederaufgehens der Sonne an einem be¬ 
stimmten Tage unseres Lebens2). 
Im großen und ganzen also finde ich, dass sich eine conséquente 
Darstellung der Yerhältnisshypothese, der Sache nach, nur auf apriori¬ 
sche Argumente begründen lässt und nicht empirisch beweisbar 
ist: wenn man sie empirisch zu begründen sucht, so setzt man sich 
in die Gefahr, eine Petitio principii zu begehen. So z. B. Groten- 
felt, wo er in Bezug auf den Zusammenhang »des Intensitäts¬ 
unterschiedes und der Intensitäten, deren Unterschied er ist« sagt: 
»Wenn man nicht hier das Uelativitätsgesetz als wenigstens im 
Princip gültig anerkennt, dann hat man dasselbe von Grund aus 
geleugnet«3), während er doch früher behauptet hat, dass »das 
Weber’sche Gesetz nichts anderes als die von der experimentellen 
Psychologie gefundene Bestätigung jenes Grundprincips sei«4). 
Ich finde also nicht, dass die Yerhältnisshypothese den wesent¬ 
lichen Forderungen einer wissenschaftlichen Hypothese entspricht, 
indem sie weder 1) eine genaue Zusammenfassung der Thatsachen 
ist, noch 2) auf deductive Weise Folgerungen gestattet, welche mit 
den Resultaten von Beobachtungen vergleichbar sind5). 
Endlich, insoweit sie auf dem Hering’schen Ilelativitätssatz 
beruht, scheint mir die Yerhältnisshypothese ebenso sehr meta¬ 
physisch als psychologisch zu sein. 
Von Grotenfelt’s Auffassung des Web er’sehen Gesetzes 
weicht die von Merkel wesentlich ab. Während Grotenfelt 
dafür hält, dass die Methode der mittleren Abstufungen nur eine 
1) Delboeuf, Examen critique de la loi psychophysique, S. 43. 
2) Laplace, Essai philosophique — citirt von Venn, »Logic of Chance«, 
p. 197. 
3) Das Weber’sche Gesetz, S. 96. 
4) a. a. O. p. 76. 
5) Siehe Jevons »Principles of Science«, p. 511.
        

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