Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Schätzung von Schallintensitäten nach der Methode der mittleren Abstufungen
Person:
Angell, Frank
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4184/17/
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Frank Angell. 
ciationsmomente ins Spiel kommen, wenig aus; je gewissenhafter 
der Reagirende ist, je mehr er strebt genau zu schätzen, desto 
schneller greift er unbewusster Weise nach solchen Erfahrungs¬ 
momenten. Aber was die Merkel’sehen Versuche speciell anlangt, 
so sagt Merkel ausdrücklich: »ich verstehe unter Empfindungs- 
schätzung nichts anderes, als was das Wort seinem eigentlichen 
Sinne nach besagt, nämlich die Art und Weise, wie wir die Em¬ 
pfindungen auffassen. Dabei kommt nicht nur der unmittelbare 
Eindruck derselben in Frage, sondern auch alle Erfahrungen, die 
wir in dem betreffenden Sinnesgebiete gesammelt haben«1). 
Somit betrachte ich die Ergebnisse der Methode der doppelten 
Reize im Gebiete des Schalles nicht als maßgebend für die Entschei¬ 
dung der Frage nach der Beziehung zwischen Reiz und Empfindung 
in dem Sinne, dass die Stärke der appercipirten Empfindungen allein 
den Ausschlag für die Schätzung derselben gab ; und es ist auch die 
Meinung der Theilnehmer an dieser Untersuchung gewesen, dass 
eine directe messende Vergleichung der Empfindungen ihrer In¬ 
tensität näch überhaupt unmöglich sei. 
Man könnte vielleicht einwenden, der Umfang der oben mit- 
getheilten Versuche sei zu begrenzt, als dass sie mit den zahl¬ 
reichen Merkel’schen Ergebnissen zu vergleichen wären. Aber 
man muss sich daran erinnern, dass es bei unseren Experimenten 
nicht auf eine quantitative Feststellung der Abhängigkeit zwischen 
Reiz und Empfindung unter der Voraussetzung der Giltigkeit der 
Methode, sondern auf eine Prüfung der Methode selbst ankam ; und 
ich bin der Meinung, dass sorgfältige, nach monatlicher Uebung 
begonnene Experimente, welche in vier Versuchsstunden in der 
Woche während sechs Wochen fortgesetzt wurden, wohl im Stande 
sind eine zuverlässige Aussage über die Giltigkeit der angewandten 
Methode zu liefern. 
Man könnte freilich auch ein wenden, dass es überhaupt Zeit- 
und Arbeitsverlust sei, experimentell etwas zu prüfen, was aner¬ 
kannte Autoritäten in der Psychologie als selbstverständlich be¬ 
trachten. Aber die Frage war die eines Thatbestandes, und daher 
nur durch Thatsachen, durch kein ipse dixit, zu beantworten. In 
* 
1) Phil. Stud. Y, S. 246.
        

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