Bauhaus-Universität Weimar

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Walter Brix. 
Dominique Truel ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Aber sie sind 
alle über die ersten Anfänge der Theorie nicht hinausgekommen. 
Derjenige, dem das Verdienst gebührt, die Veranschaulichung 
des Imaginären zum ersten Mal im vollsten Umfange durchgeführt 
zu haben, ist Arg and. Von derselben Auffassung der mittleren 
Proportionalität wie die bisher erwähnten Forscher ausgehend, gab 
er zuerst 1806 die bekannte Darstellung des complexen Zahlen¬ 
gebietes in der Ebene und entwickelte hieraus die Gesetze der vier 
Species1). Der Inhalt seiner Arbeit blieb aber vorläufig unbekannt 
und erreichte erst einige Verbreitung infolge eines Prioritätsstreites, 
welcher durch die Aufstellung derselben Theorie durch Français 
hervorgerufen war, und an welchem außer den genannten noch 
Lacroix, Servois und Gergonne theilnahmen. Da dieser Streit 
für uns nur von untergeordnetem Interesse ist, kann er hier 
übergangen werden2). Es genüge deshalb die Bemerkung, dass in 
den citirten Arbeiten, namentlich in denen Argand’s, bereits die 
ganze Darstellung des Complexen in der Ebene enthalten ist, so 
dass Hankel ihn mit Hecht den wahren Begründer derselben 
nennen kann3). 
Aber auch dieser Streit wurde vergessen und die ganze Frage 
ruhte eine Zeit lang, bis sie durch die Arbeiten von Monrey4) 
1) Argand, Essai sur une manière de représenter les quantités imagi¬ 
naires dans les constructions géométriques. Paris 1806. 
2) Eine kurzgefasste Uebersicht über denselben gibt Drobisch in seiner 
Abhandlung: Ueber die geometrische Construction der imaginären Größen. Be¬ 
richte über die Verhandlungen der königlich sächsischen Gesellschaft der Wissen¬ 
schaften zu Leipzig aus dem Jahre 1848, II, p. 171. Leipzig 1849. Eine ein¬ 
gehendere Darstellung ist enthalten in der neuen Ausgabe: R. Argand, Essai 
sur une manière de représenter les quantités imaginaires dans les constructions 
géométriques. 2me édition précédée d’une préface par M. J. Hoüel et suivie 
d’un appendice contenant des Extraits des Annales de Gergonne, rélatifs à la 
question des imaginaires. Paris 1874. — Die historische Vorrede von Hoüel ist 
auch abgedruckt im Bulletin des sciences mathématiques VII, p. 145—151, Paris 
1674. — Die Originalartikel finden sich in Gergonne’s Annales de Mathéma¬ 
tiques pures et appliquées und zwar: Argand, Band IV, p. 133—147, V, 197 
—209. Français: IV, 61—71, 222—227, 364—366; Lacroix: IV, 367, 
Servois: IV, 228—235; Gergonne in vielen Anmerkungen, z. B. IV, 71—73, 
228-229, 231—232, 367 etc. 
3) Hankel: Complexe Zahlen p. 82. Vgl. auch hier weitere Literatur¬ 
angaben. 
4) C. V. Monrey: La vraie théorie des quantités négatives et des quan¬ 
tités prétendues imaginaires. Paris 1828.
        

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