Bauhaus-Universität Weimar

Die Lehre vom Willen in der neueren Psychologie. . 
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vorausgesetzt werden können. In dem ersteren Falle handelt es 
sich um automatische Bewegungen, wenn der erregende Impuls 
vom motorischen Centralgehiet ausgeht, um re fl ecto rische, wenn 
ein sensibler Reiz die unmittelbare Veranlassung der Bewegung ist. 
Im zweiten Falle liegen entweder Trieb- oder willkürliche 
Bewegungen vor, hier ist also immer der Wille in eindeutig oder 
mehrdeutig bestimmter Weise der Ursprung der Bewegung. Da 
zwischen den beiden Grundformen des Triebes, Begehren und Wider¬ 
streben, ebenso eine Indifferenzlage besteht, wie zwischen Lust und 
Unlust, so haben wir den Triebbewegungen auch solche eindeutig 
bestimmte Bewegungen zu subsumiren, welche der appercipirten 
Vorstellung ohne begleitende Gefühle ihren Ursprung verdanken. 
Die große Classe dieser Bewegungen ist die der gewohnheits¬ 
mäßigen. 
Ich hatte häufiger Gelegenheit, auf die nahe Beziehung hinzu¬ 
weisen, in welcher Wille und Selbstbewusstsein zu einander stehen. 
Bei Wundt findet dieselbe ihren klaren und vollständigen Ausdruck. 
Das Selbstbewusstsein entsteht nach ihm einerseits aus einer Summe 
von Vorstellungen, die einen permanenten Charakter annehmen, 
andererseits aus der Abhängigkeit, in welcher dieselben von unserem 
Willen stehen. Später wird dann überhaupt die innere Thätigkeit 
der Apperception zum eigentlichen Inhalt des Ich, und alle jene 
halb sinnlichen, halb begrifflichen Bestandtheile desselben werden 
von mehr oder weniger accessorischer Bedeutung. 
Ueberblicken wir die gesammte Wirksamkeit des Willens, wie 
wir sie in kurzen Zügen zu schildern suchten, so erhellt ohne 
weiteres die bedeutende Rolle, welche ihm nach Wundt in dem 
seelischen Leben zukommt. Streng genommen gibt es für das ent¬ 
wickelte Bewusstsein nur einen Inhalt, der nicht vom Willen ab¬ 
hängig ist oder bei welchem diese Function nicht betheiligt ist, das 
sind die Perceptionen, die percipirten Empfindungen oder Vorstel¬ 
lungen. Aber dieselben führen für uns auch nur eine Schatten¬ 
existenz. Sie bilden einen umfangreichen Stoff, den wir uns nur mit 
Hülfe apperceptiver Thätigkeit verwerthbar machen können. So 
wird auch alles das, was von ihnen ausgeht — es werden sicherlich 
auch automatische Bewegungen zum Theil durch sie angeregt oder 
regulirt —, von uns als nicht zu unserem eigentlichen inneren
        

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