Bauhaus-Universität Weimar

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Oswald Kttlpe. 
erweisen. Alles seelische Streben ist Empfindungs- und V or- 
stellungsstreben.^. Seine Leistung besteht in einer negativen 
Arbeit, in einer Bindung überhaupt verfügbarer seelischer Kraft. 
Daneben wird zwischen qualitativem und erfahrungsge¬ 
mäßem Streben unterschieden. Jenes wird dadurch charakterisirt, es 
sei das Empfindungs- und Vorstellungsstreben, »das oder soweit es 
in der Qualität der Vorstellungen oder ihren qualitativen Verhält¬ 
nissen zu andern, bezw. zum »»allgemeinen seelischen Leben«« seinen 
Grund hat.« Erfahrungsgemäße Strebungen dagegen sind solche, 
»welche oder soweit sie durch den erfahrungsgemäßen Zusammen¬ 
hang mit anderen, in der Seele bereits lebendigen Vorstellungen 
oder Empfindungen erzeugt sind.«'''Das qualitative Empfindungs¬ 
streben nennt Lipps das Begehreii. Nun fühlen wir uns activ 
in jedem Streben, ja dasselbe bildet neben den Gefühlen den eigent¬ 
lichen Kern unseres Ich, offenbar weil sich in beiden die Bezie¬ 
hungen der seelischen Inhalte zu einander und zum seelischen Ge- 
sammtleben dem Bewusstsein unmittelbar ankündigen Aber so 
gut der Begriff der Activität empirisch erzeugt ist, so sind auch 
Streben nach und Widerstreben gegen etwas erst in der Erfahrung 
entstanden. Unmittelbar wissen wir nur von dem gleichzeitigen 
Vorhandensein gewisser Vorstellungsinhalte und Strebungsempfin¬ 
dungen. Das Streben heißt »Streben nach einem a, wenn wir 
wissen, dass es in der Verwirklichung des a sein Ende findet.« Und 
»wir nennen es unser Streben nach a umso eher, ein je umfas¬ 
senderes seelisches Streben in der Verwirklichung des a sein 
Ende findet.« Da nun aber jede solche Verwirklichung eine Be¬ 
friedigung mit sich führt, so nennen wir unser Streben auch das¬ 
jenige, dessen Verwirklichung unsere Befriedigung erregt oder er¬ 
regen würde. Dadurch erklärt sich auch das Widerstreben und 
unser Widerstreben. Dasselbe finden wir überall da, wo das 
Streben mit der Verwirklichung eines a sich verstärkt oder ver¬ 
stärken würde, dagegen in Befriedigung überginge, wenn a ganz 
~ aus dem Bewusstsein verdrängt würde. /'"Den Begriff des Wollens 
? _ endlich verwendet Lipps so, dass er den Wunsch, dass etwas sei, 
{n und das Begehren zu handeln einschließt, dass er also das Streben 
I ... 
nach etwas Möglichem, Erreichbarem bezeichnet^ — 
1) Vgl. S. 40S.
        

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