Bauhaus-Universität Weimar

üeber Wiedererkennen. 
133 
Versuche zeigt, häufiger einer Verwechselung unterworfen ist, als 
die anderen Scheiben l und m, unter denen sie wiedererkannt wer¬ 
den soll. Beide Theorien müssen hier ganz bestimmte Erwartungen 
aufstellen, aber diese stehen unter sich im Streit, so dass gerade 
dieses Problem im Stande ist, ein entscheidendes Urtheil darüber zu 
fällen, welche von den Theorien am besten das erfahrungsmäßig 
Gefundene erklären kann. 
Vom Standpunkte der Aehnlichkeitshypothese muss die Sache 
sich folgendermaßen stellen. Je häufiger eine Empfindung sich 
wiederholt, desto leichter muss sie auch, alles Andere gleich gesetzt, 
wiedererkannt werden können. Der Einfluss der Uehung beruht ja 
eben darauf, dass die Anzahl der gleichartigen Empfindungen ver¬ 
mehrt wird, wodurch das Wiedererkennen an Sicherheit gewinnt. 
Wenn man also eine Reihe Versuche in der Art anstellt, wie es hier 
o-eschehen ist, so muss die Normalscheibe n sich sicherer als l er- 
kennen lassen, da dieselbe, außerdem dass sie vor jedem einzelnen 
Versuch gezeigt wird, wieder zur Beurtheilung ebenso häufig wie l 
zum Vorschein kommt. In einer Reihe von 30 Versuchen wird n 
im Ganzen 45 mal, l nur 15 mal gesehen worden sein, und seihst 
wenn sich hieraus kein quantitatives Resultat ergibt, so darf man 
doch schließen, dass n häufiger als l wird richtig geschätzt 
werden. 
Vom Standpunkt der Berührungstheorie wird das Verhältniss 
ein ganz anderes. Hier beruht das Wiedererkennen auf einer Ver¬ 
gleichung mit einem Erinnerungsbilde, das mehr oder weniger ver¬ 
wischt und unklar ist, und auf welches die fortdauernde Wieder¬ 
holung nur die Wirkung ausgeüht hat, dass es nach Verlauf einer 
gewissen Zeit nicht ganz so unklar ist, wie es sein würde, wenn 
die Uebung geringer gewesen wäre. Die Bedeutung der Wieder¬ 
holung wird hier nur die sein, dass das Wiedererkennen im Ganzen 
sicherer wird, es kann aber keinen Einfluss darauf haben, ob n oder 
l am richtigsten geschätzt wird. Dieses muss dagegen von ganz 
anderen Verhältnissen abhängig sein, erstlich von der Art der Em¬ 
pfindungen und demnächst von den individuellen Anlagen. Bei 
Gesichtsempfindungen, mit denen wir uns hier ausschließlich be¬ 
schäftigen, wird das Verhalten folgendes werden. Bei dem Menschen, 
bei dem das Erinnerungsbild der Normalscheibe ein klares ist, kann
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.