Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Zeit der Erkennung und Benennung von Schriftzeichen, Bildern und Farben
Person:
Cattell, James McKeen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4142/14/
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James McKeen Cattell. 
unten, als um in entgegengesetzter Richtung zu lesen, wo in beiden 
Fällen dieselben Buchstaben und in derselben Reihenfolge zu lesen 
waren. 
Durch bereits erwähnte, hier nicht beschriebene Experimente 
habe ich gefunden, dass die Zeit, welche man braucht, um ein ein¬ 
zelnes Wort oder einen einzelnen Buchstaben zu erkennen und aus¬ 
zusprechen, beträchtlich länger ist, als die hier angegebenen Zeiten. 
Das erklärt sich, wie bereits oben angegeben, dadurch, dass bei den 
hier beschriebenen Versuchen die Zeiten, welche zum Erkennen, und 
welche zum Aussprechen eines Wortes oder eines Buchstabens gebraucht 
werden, sich theilweise überdecken in der Weise, dass die Erken¬ 
nungszeit verkürzt und die Aussprechzeit ganz eliminirt wird. Es wird 
nämlich der Buchstabe (oder das Wort) automatisch ausgesprochen, 
während der folgende bereits appercipirt wird. Bilden die Buchstaben 
Wörter und die Wörter Sätze, so werden die Zeiten ganz auffallend 
verkürzt. Die Wörter und Buchstaben werden nämlich nicht einzeln 
einer nach dem andern appercipirt, sondern mit einem geistigen Pro¬ 
cess gleich eine ganze Gruppe. Die Geschwindigkeit, mit der man sie 
gelesen hat, war also nur beschränkt durch die Maximalschnelligkeit 
der Aussprache. 
Je weniger eine Sprache bekannt ist, desto kleiner wird der Un¬ 
terschied zwischen den Schnelligkeiten, mit denen man einen Ab¬ 
schnitt vor- und rückwärts liest. Im Italienischen und Griechischen 
wurden die Versuchspersonen, als sie den Abschnitt zum ersten Male 
und möglichst schnell lasen, wenig unterstützt durch den Sinn, und 
die Zeit für Vorwärtslesen war fast so lang als für Rückwärtslesen. In 
den Tabellen II und III sind die Resultate angegeben, welche wir 
erhielten, als die Abschnitte zum ersten Male gelesen wurden ; beim 
zweiten Male wurden die Zeiten kürzer und regelmäßiger. Den Ein¬ 
fluss der Uebung und der Bekanntschaft mit dem Abschnitt erkennt 
man aus den Tabellen IV und V, welche die Resultate zehnmaligen 
Lesens desselben Abschnittes enthalten, den der Ermüdung daraus, 
dass fast in allen Fällen, wo 500 Buchstaben oder Wörter gelesen 
wurden, der hieraus gefundene Mittelwerth größer war als der aus nur 
100 geistigen Processen derselben Art gewonnene. Tabelle III zeigt, 
dass das weibliche Geschlecht etwas schneller gelesen hat als das 
männliche, dagegen stellt sich für die beiden Nationalitäten kein be-
        

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