Bauhaus-Universität Weimar

lieber die Unterscheidung von Schallstärken. 
Von 
Dr. Ernst Tischer. 
Die Versuche, welche im Wintersemester 1879—80 unter der 
Leitung des Herrn Prof. Wundt in dessen psychophysischem Labo¬ 
ratorium zur Messung der Apperceptionsdauer hei einfachen Licht¬ 
empfindungen angestellt wurden, ergaben für alle bei denselben 
betheiligten drei Individuen ein verschiedenes Resultat, jenachdem 
zwei oder vier qualitativ verschiedene Lichtempfindungen in unbe¬ 
stimmter Reihenfolge vor dem Auge des Beobachters abwechselten. 
Sowohl die ganzen physiologischen als auch die reducirten oder 
eigentlichen Unterscheidungszeiten waren länger beim Wechsel von 
vier, als hei demjenigen von zwei Lichtempfindungen. ') Zwar 
zeigten bei einem der Reagirenden die Unterscheidungszeiten zwi¬ 
schen vier Farben eine tägliche Abnahme und allmälige Annähe¬ 
rung an die Unterscheidungszeiten bei zwei Farben, so dass die Ver- 
muthung nicht ganz ausgeschlossen war, der Unterschied zwischen 
beiden könne durch hinreichende Uebung auf eine unansehnliche 
Größe herabgedrückt werden ; sollten aber neue Versuche dieses nicht 
bestätigen, so hatte andererseits die Frage nach der Abhängigkeit des 
Wachsthums der Unterscheidungszeit von der Anzahl der zu unter¬ 
scheidenden Eindrücke an Interesse gewonnen. Herr Prof. Wundt 
ließ daher im Sommer 1881 und Winter 1882 unter seiner Aufsicht 
Versuche ausführen, welche über jene Fragen Aufschluss geben 
sollten. Um gleichzeitig das Beobachtungsmaterial hinsichtlich der 
Apperceptionsdauer bei einfachen Vorstellungen über andere als Ge¬ 
sichtsobjecte auszudehnen, wurden die früher benutzten Farbenem- 
1) Vgl. die Abhandlung von Dr. M. Friedrich: »Ueber die Apperceptions¬ 
dauer bei einfachen und zusammengesetzten Vorstellungen« in den »Philosophischen 
Studien« I. S. 39 f.
        

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