Bauhaus-Universität Weimar

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Zuntz. Die Gase des Blutes etc. 3. Cap. Die Gase des Blutes. 
Estor & Saint Pierre1 hatten behauptet, der Gasgehalt des 
Blutes in den Arterien nehme mit der Entfernung vom Herzen ab. 
Diese Behauptung, von Hirschmann2 bekämpft, wurde you Pflüger3 
durch exacte Versuche als durchaus irrthümlich erwiesen. — Ma¬ 
thieu & Urbain 4 haben Unterschiede im Sauerstoffgehalte der grös¬ 
seren und kleineren Arterien unabhängig von ihrer Entfernung vom 
Herzen gefunden und dieselben dadurch erklärt, dass namentlich in 
die unter spitzem Winkel abgehenden kleinen Arterien ein an Blut¬ 
körperchen ärmeres Blut eindringt, als das in grösseren Stämmen 
enthaltene. Specifische Gewichtsbestimmungen der Autoren bestäti¬ 
gen diese Annahme; in den kleinen Arterienästen ist das specifische 
Gewicht um 0,001—0,002 niedriger, was auf einen geringeren Gehalt 
an Blutkörperchen hinweist5. 
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II. Die Gase des venösen Blutes. 
Die Veränderungen, welche das Blut in den Capillaren erfährt, 
müssen je nach der Intensität des Stoffwechsels in dem durchström¬ 
ten Organ wechseln. Der Gasgehalt des venösen Blutes muss dem¬ 
gemäss in verschiedenen Gefässprovinzen verschieden sein. Diese 
Verschiedenheit documentirt sich schon in der Farbe des venösen 
Blutes, welches z. B. aus einer thätigen Drüse fast so hellroth wie 
arterielles, aus dem thätigen Muskel dagegen fast schwarz hervor¬ 
strömt6. Ein Bild von der durchschnittlichen Grösse des Gas¬ 
wechsels in den Organen erhalten wir, wenn wir das venöse Blut 
des rechten Herzens mit dem arteriellen vergleichen. Man kann zu 
diesem Bekufe bei Hunden und Schafen leicht einen geraden Kathe¬ 
ter von der rechten Vena jugularis externa aus durch das Atrium in 
den rechten Ventrikel vorschieben; das Blut muss dann wegen des 
negativen Drucks im Thorax entweder durch eine Spritze oder durch 
ausfliessendes Quecksilber ausgesaugt werden. 
Die ersten Bestimmungen derart, 5 vollkommen ausgeführte 
Doppelanalysen, hat Schoeffer7 geliefert. Seine Mittelwerthe auf 
Atmosphärendruck berechnet sind : 
1 Estor & Saint Pierre, Journ. d. 1 anat. et d. 1. physiol. II. p. 302. Mai 1865. 
2 H. Hirschmann, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1866. S. 502. 
3 E. Pflüger, Arch. f. d. ges. Physiol. I. S. 274. 1868. 
4 Mathieu & Urbain. Arch. d. physiol. IV. 1871. 
5 Ueber die Beziehungen zwischen Sauerstoffgehalt und spec. Gewicht des 
Blutes vgl. Pflüger, Arch. f. d. ges. Physiol. I. S. 75. 
6 Vgl. Cl. Bernard, Leçons sur les Liquides de l’organisme I. p. 257. Paris 1859 
und Journ. d. 1. physiol. I. p. 233—241, 609—665. 1858. 
7 A. Schoeffer. Sitzgsber. d. Wiener Acad., mathem.-nat. Cl. XLI. S. 589.1860.
        

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