Bauhaus-Universität Weimar

200 Rosenthal, Die Physiologie d. Athembewegungen u. d. Inuervation derselben. 
gleich bleibt, so kann dieser willkürlich abgeänderte Respirations¬ 
typus einige Zeit anhalten. Im anderen Falle aber bricht nach 
kurzer Zeit wieder, trotz unseres Willens, die gewöhnliche Athmungs- 
frequenz und der gewöhnliche Typus durch. 
Den erheblichsten Einfluss auf die Athemfrequenz aber hat die 
Beschaffenheit des Blutes, namentlich sein Gasgehalt. Ein Theil der 
bisher besprochenen Factoren, so z. B. die Muskelthätigkeit, wirken 
vielleicht nur dadurch, dass sie den Gasgehalt des Blutes ändern. 
Dieser Punkt wird an einer späteren Stelle eine eingehende Erörte¬ 
rung finden. 
Die Tiefe der Athemzüge, gemessen durch die bei einer Ex¬ 
spiration entleerte Luftmenge, befolgt im allgemeinen dieselben Ge¬ 
setze wie die Frequenz. Nach Vieroedt1 ist dieselbe im Mittel etwa 
auf 500 Ccm. zu veranschlagen und das in einer Minute ein- und aus- 
geathmete Luftquantum auf etwa 6000 Ccm. Nach dem Mittagsmahl 
stieg bei Vierordt dieses Quantum um 680 Ccm., durch starke Muskel¬ 
bewegung um 300 Ccm. ; durch Temperaturzunahme der Umgebungs¬ 
luft für jeden Grad um 60 Ccm. ; durch Steigerung des Luftdrucks 
um 5.6 Par. Linien um 580 Ccm. Die genaueren Erörterungen über 
den Zusammenhang äusserer Einflüsse und der Aufnahme von Sauer¬ 
stoff und Abgabe von Kohlensäure bei der Athmung finden in dem 
Abschnitt von dem Chemismus der Athmung ihren Platz. 
Fassen wir alles zusammen, so können wir sagen, dass die nor¬ 
male Athmungsfrequenz eines erwachsenen gesunden Menschen etwa 
16 bis 18 in der Minute sei. Im Allgemeinen ist das Verhältniss der 
Athemfrequenz zur Pulsfrequenz nahezu gleich 1:4, und da viele 
der erwähnten äusseren Einflüsse auf beide in gleichem Sinne wir¬ 
ken, so wird durch sie das Verhältniss nicht wesentlich geändert. 
Doch gibt es gerade hierin mehrere Ausnahmen. 
Die nervösen Einflüsse sollen im dritten Capitel besprochen 
werden. 
II. Untersuchung der Athembewegungen. Pneunionietrie und 
Pneumographie. 
Neben der einfachen Zählung der Athemfrequenz kann man 
durch das blosse Auge noch manche Einzelnheiten über die Athem¬ 
bewegungen erfahren : so die wechselnde Erweiterung und Verenge¬ 
rung an verschiedenen Stellen des Thorax, die durch die Zwerch¬ 
fellbewegung verursachte Hervorwölbung des Bauches und die Aus- 
1 Vierordt, Physiol, d. Athmens. Zusammenstellung der Ergebnisse. S. 255 ff.
        

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