Bauhaus-Universität Weimar

270 Rosenthal, Die Physiologie d. Athembewegungen u. d. Innervation derselben. 
gefasst werden. Entweder sind die Nervenapparate, von welchen 
die Erregungen ausgehen, unmittelbar abhängig von der Beschaffen¬ 
heit des sie umspülenden, in ihren Capillaren circulirenden Blutes 
— oder dieses Blut wirkt auf peripherische Nerven und diese be¬ 
wirken die Athembewegungen nach Art der Reflexbewegungen. 
Diese letztere Auffassung ist von verschiedenen Forschern ver¬ 
treten worden. Wie wir schon gesehen haben, glaubte Marshall 
Hall1, dass die Vagi allein die Athembewegungen anregen; Volk¬ 
mann2 und Vierordt3 dagegen glaubten sämmtliche Nerven des Kör¬ 
pers dafür in Anspruch nehmen zu sollen. Schiff4 endlich stellte 
eine vermittelnde Ansicht auf, wonach für gewöhnlich durch die Vagi 
die Respiration angeregt werden soll ; seien aber diese durchschnitt¬ 
lich, so wachse der Reiz, bis er zur Reizung anderer, schwerer er¬ 
regbarer Nerven hinreiche; daher die Abnahme der Zahl und der 
veränderte Typus der Respiration. 
Im Gegensatz hierzu glaubte ich 5 annehmen zu müssen, dass 
die Einwirkung des Blutes eine directe, ohne Mitwirkung sensibler 
Nerven in der Med. oblongata stattfindende sei. Ich kam zu dieser 
Ansicht, weil die Athembewegungen noch fortdauern, wenn man 
das Grosshirn exstirpirt, die Vagi durchschnitten und das Rücken¬ 
mark unterhalb des Abgangs der Athemnerven durchtrennt, also fast 
alle sensible Nerven von dem Athemcentrum abgetrennt hat. 
In der That bleiben in diesem Falle nur einige Hirnnerven und 
die hinteren Wurzeln des Halstheils des Rückenmarks übrig, durch 
welche sensible Erregungen dem Athemcentrum zugeführt werden 
könnten. Aber gerade diesen letzteren ist dann eine besondere Be¬ 
deutung zugeschrieben worden. Rach6 fand nämlich, dass die 
Durchschneidung dieser hinteren Wurzeln aus dem Halstheil des 
Rückenmarks ganz allein genüge, um die Athembewegungen aufzu¬ 
heben. Eine theilweise Durchschneidung derselben mache die Re¬ 
spirationsfrequenz geringer, die einzelnen Athembewegungen aber 
tiefer. Ob dabei die Vagi durchschnitten und das übrige Rücken¬ 
mark vom Halstheil abgetrennt sei oder nicht, sei gleichgiltig. 
Ich konnte die Angaben von Rach nicht bestätigen. Im Gegen- 
theil, es gelang mir, die Athembewegungen deutlich fortdauern zu 
sehen, nachdem das Rückenmark am siebenten Halswirbel, das Ge- 
1 Marshall Hall a. a. 0. 
2 Volkmann, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1841. S. 342. 
3 Vierordt in Wagner’s Handwörterb. IL S. 912. 
4 Schiff, Lehrb. d. Physiol. I. S. 413. 5 Rosenthal, Athembewegung. S. 14. 
6 E. Rach, Quo modo medulla oblongata, ut respirandi motus efficiat, incitetur. 
Diss. inaug. Regiomonti Pr. 1863.
        

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