Bauhaus-Universität Weimar

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S11 >i ft vierte Scutjdjc $Roncit§l)efte. 
erhalten, als ba§ übrige Schrifttum, nämtief) 
uiigejchricben, nur müublid) weiter getragen, 
unb troßbetn in erftaunlicier ©enauigfeit. 
îies bemerfenb, unternahmen eS bie ©rüber 
©rimm befnuutlicl) im Slttfange biefeS gahr= 
(junbertë, bem beutfdjen ©olfe feine ©o!fS= 
ntnrrf)en, ici) möchte fagen: ,511 retten. ®enn 
ber ©erluft brofjte. ®ie erfte üluêgabe ihrer 
Jtinber= unb §au§ntardjen erfcfjien 1812 unb 
nmrbe freubig nufgenommen. Sie fatten 
baS 9J?ärdjen auS feiner eigentlichen Ajeimat, 
bam Sanbe, bain ®orfe, auS ber flehten 
Stabt geljolt. ®euu nicht in ber unrul)e= 
ballen großen Stabt, fonbern im f£orfe unb 
in berjenigen ftäbtifchen Sinberftube, bereu 
3BcicI)terinnen auS bem ®orfe fonunen unb 
immer mieber tommen, ift bie ärcf)enübcr= 
lieferung noch 5U tpnufe. 
®ie ©rimm, biefe treuen Pfleger beutjehen 
SßefenS, tuiefen ihre Schüler unb ißre ge= 
lehrten Sefer auf ben iniffenfc£)nf11 id)etc SBert 
ber 9Jtärd)enforfd)ung hin, unb halb begann 
barin eine rege Shatigfeit, bie rafd) gur Er= 
Weiterung ber erften unb git gasreichen neuen 
Sammlungen führte. „2L!ie eiitjam," fagt 
SßJilfjetni ©rimm 1856 bei einem Dtiicfbücf, 
„ftanb nufere Sammlung, alë fie guerft f;ev= 
bortrat, unb Welche reiche Saat ift feitbem 
aufgegangeit. DJtan lächelte bantafS nad)= 
ficl)tig über bie ^Behauptung, baß l)'el' @e= 
bauten unb Slttf^auungen enthalten feien, 
bereu Ülnfange in bie Slunfelhcit beS 9llter= 
tumS gurücfgingeu ; jeßt finbet fie tanin nod) 
SBiberfprud). Stau jucht nad) biefen 9)iär= 
cl)cn mit Sluerfeituung ißreS Wiffenfd)oftlid)en 
SöerteS unb mit Scheu, an ihrem gnljalt 
gu änbern, währenb man fie früher für nichts 
als gehaltlofe Spiele ber iphnntafic l)ieh, 
bie fich jebe ©el)anblung müßten gefallen 
laffen." 
fSber biefe gorfd)ung gog bann halb ißre 
Streife über SDeutji'hlnnbS ©reugen (jinnuë 
unb gelangte babei 511 ben merfwürbigfteu 
Eutbecfuugen, bagu nantlid), baß ber größere 
Seil nuferer eigentlichen ©olfs= unb A^auS= 
marcf)en aud) in anbereu Säubern als echter 
©olfSbefiß tiorhonben war, ebenfo an mitnb= 
lictje Überlieferung getniipft wie bei unS, 
cbettfo eng in bie fyaniilienftube gebannt, 
ebenfo fcljeu bor ber Dffentlid)feit; baS trifft, 
wie heute feftftefjt, für gang Europa gu. SBer 
hätte 5. S3, gebucht, baß, als Alonfttl Apaßu 
in ©riecheulanb fanimelte,* er bort Scf)nec= 
Wittcfjen, 2lfd)enputtel, ben treuen Johannes 
unb fo PieleS oitbere finben würbe. fOtau 
begreift, baß biefeS Ergebnis lebhaft bagu 
anregen mußte, nach einem ben Sßölferit 
©uropaS gentcinfamen uralten SKardhenborn 
51t fuchen. ©iele gaben liefen und) Jfnbicn 
in bie Diäße ber Urquelle ber nrifetjen Spra= 
d)cu: eS eutftanb bie wifjenfchoftlidje Slnficßt 
Pon ber Übertragung ber fDcarchenergähluiis 
gen auS pubien Por ober mit ber großen 
©ölferbewegung. 
Unfer trefflicher, uuermüblicher SanbSmann 
9Jfaj D.lfüller in Djforb eutfcl)loß fiel) auf 
! ©runb biefer 2fufid)t gu ber SHefenarbeit 
eines ooltftanbigen ©erfudjeS. Er wählte 
bagu SafontaineS weltbefnunte gabel uon ber 
ffSerrette, ober, wie wir fie nennen, Apanite 
mit bem SKilcfjtopf: wie tarnte mit biejem 
auf bem ®opfe bie immer größer loerbenben 
©ewiitite barauS berechnet unb por greuben 
ßopp! macht, unb wie babei ber Sopf gu 
©oben fällt unb gerbricht. Sie ©runbergal)® 
lung bagu ift uralt iubijd). Sie gilt bort 
Pon einem armen ©rahmanen, ber Pon ben 
i ©aben an tponig unb ©utter, bie ihm gu 
teil Werben, fpart unb enblidj einen Sopf 
baüon ooll befummelt Ipt; ben Sopf ïjot er 
über feinem Sette aufgehängt. Er malt ficf) 
nun einmal, auf feinem Sager liegcitb, bie 
ßufunft auS, Wie fie ißm auS bent ©errat 
im Sopf erblühen werbe, unb gelaugt babei 
nucl) gum cublidjeu fpeiraten, gu einem tveff* 
liehen, begabten Sohn, ©ut ergief)en will 
er beit; wenn ber aber nicht gehorcht, bann 
wirb er il)n honen! ®abei erhebt er einen 
Stocf, ben er in ber .jpanb l)ält — jo Raiten ! 
jagt er, 1111b trifft fchmetternb ben 2opf, 
1111b £wnig unb ©utter rinnen über fein 
©eficljt. 
Um genau gu fein bei einer foldjen Quellen* 
frage, will ici) fogleicl) l)>ngufügeii, baß in 
ben gwei SanSfritformeu beS ©efchid)td)-:uS, 
bie unS bewahrt finb, nicht Aponig mit Smt- 
ter, fonbern fh'eiS beu gnhalt beS iJorfeS 
bilbet, baß aud) beibentnl barin bie g:au, 
* 3. i>. sAiUjii, ©vicdjifct)c mtb albaitcfifdjc Stärs 
djeit, Ateipjig 1864. ÿov ctniqeit Saljven betiagte ein 
! ôevr Sticoiaïbeê in bev Statiomitsgeitiing, bafi ©rieacns 
lanb feine Spriibev tüvimm notl) nid;t gcfmiben tjibc; 
[eine Singe mar gvimbtoS, bie .paljiijdic Êaimnmig 
nnu- liiitgft uovt)mibcn imb ift umfangveid) unb lots 
tvepdj.
        

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