Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die mechanischen Naturkräfte und deren Verwendung
Person:
Reuleaux, F[ranz]
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39834/9/
bare genannt, gehören zwei verschiedenen Klassen an, sind entweder 
Körperatome oder Ätheratome. Erstere bauen alle Körper auf, letztere 
sind die feinen Teilchen des fast unendlich feinen Stoffes, der den 
ganzen Weltraum erfüllt, auch alle Körper durchdringt und darin 
seinen wichtigen Anteil am Aufbau nimmt. Noch ist es nicht lange 
her, dafs man den Äther für wirklich unwägbar hielt. Dies aber hat 
die fortschreitende Wissenschaft überholt, zwar nicht durch wirkliche 
Wägungen, aber durch weitgehende Berechnungen, die man an Be- 
obachtungs- und Versuchsreihen angeschlossen hat. 
Die durch ihre Schwere durchaus vorwiegenden Körperatome 
besitzen nun die Eigenschaft, sich gegenseitig, ob weit auseinander¬ 
stehend, ob nahe bei einander, anzuziehen, aber auch die leichten 
Ätheratorae anzuziehen; letztere dagegen haben die Eigenschaft, sich 
gegenseitig abzustofsen. Diese Grundverschiedenheit hat nun zur 
Folge, dafs sich um jedes Körperatom eine Hülle von Ätheratomen, 
eine Ätherhülle bildet. Solch ein Gebilde aus einem oder aus mehreren 
Körperatomen und der darum gelagerten Ätherhülle heifst ein „Mole¬ 
kül“, von moles, die Masse, also buchstäblich ein Mässlein. Die 
Körperwelt, lehrt der Physiker, ist aus solchen Molekülen oder 
Mässlein zu Körpern geordnet, welche, entgegen der unablässigen 
Abstofsung der Ätheratome, durch die Anziehung der Körperatome 
zusammengehalten werden, und zwar selbst da, wo, wie bei der Luft, 
für gewöhnlich der feste Zustand nicht vorhanden ist. 
Auf die Abstofsung hat nun einen bedeutenden Einflufs die 
Wärme. Wenn diese in einem Körper abnimmt, rückt die Anziehung 
die Moleküle näher zusammen; wenn sie dagegen zunimmt, treibt die Ab¬ 
stofsung sie mehr auseinander. Wie stark das sein kann, sehen wir 
beim Schiefspulver, wo die Erhitzung die Raumbeanspruchung bis 
aufs dreitausendfache steigert. Das allerdings wird uns bemerklich 
durch Knall und Fall. Beim Wasser dagegen fällt uns gar nicht auf, 
dafs es bei blofser Erwärmung von 0 auf 100 °, also beim Kochen, 
rund 1600 mal mehr Raum in seiner Dunstform beansprucht, als vor¬ 
her in seiner flüssigen. Eine derartige Verstärkung der Abstofsung 
besorgt nun die Sonne im Wasser, indem sie es in Dunst auseinander 
treibt, und dadurh nöthigt, entgegen der Schwere aufzusteigen. Somit 
sorgt die Sonne dafür, das Wasser in Dunstform wieder hinauf auf die 
Wolkenhöhe zu schaffen. „Anziehung14 also nötigt das Wasser, zu fallen, 
„Abstofsung“ nötigt es, wieder aufzusteigen. 
Bei seinem „Wieder-Niedermüssen“ zur Erde entwickelt es die 
herrliche Eigenschaft, die Pflanzen zum Gedeihen zu bringen. Ganz
        

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