Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theorie der pneumatischen Orgeltraktur und die Stellung des Spieltisches
Person:
Biehle, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39811/21/
Johannes Biehle, Theorie der pneumatischen Orgeltraktur usw. 
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strömenden Luft. Aus dem jetzt vorliegenden reichhaltigen Materiale 
aber kann der Irrtum dieser Ansicht nachgewiesen werden. 
Bei dem pneumatischen Systeme haben wir es mit einer Bohrleitung 
zu tun, die mit einem Ende in einen kleinen Balg mündet, also abge¬ 
schlossen ist. In das andere Ende tritt ein Luftstoß mit der Aufgabe 
ein, den Balg aufzuheben. Über die Forpflanzungsgeschwindigkeit dieses 
Impulses erhalten wir Aufschluß, wenn wir innerhalb jeder Serie durch 
Substraktion den Zuwachs der durch die Bohrverlängerung verursachten 
Verzögerung feststellen und diese Differenz auf die Längeneinheit be¬ 
rechnen. So ergibt z. B Serie IV folgendes Bild: 
Zuwachs der 
Rohrlängen 
1,4- 5 m 
5—10 » 
10-15 * 
15—20 » 
20-30 » 
Zunahme der 
V erzögerungszunahme 
Verzögerung 
pro Meter 
16,4 »? 
4,5  
4,5 » 
41,1 » 
4,1 » 
Führt man diese Bechnung bei allen Serien durch, so ergibt sich in 
36 Fällen eine Zahl zwischen 4 und 5 o (= 0,0045 sek), und nur in 
6 Fällen wurde diese Grenze überschritten. Es wäre somit der Nach¬ 
weis geliefert, daß unter den speziell hier vorliegenden Verhältnissen die 
Fortpflanzung des Impulses unabhängig von der Länge des Bohres eine 
gleichbleibende pro Längeneinheit ist und somit ähnlichen Beding¬ 
ungen unterliegt wie die Fortpflanzung des Schalles. Der Luftstoß 
setzt sich also in unserem Systeme mit einer Geschwindigkeit von 222 m 
in der Sekunde fort (1: 0,0045 = 222). 
Eine ähnliche Feststellung, aber auf einem anderem Wege, hat 
seinerzeit August Toepler (von 1876 bis 1900 Direktor des Physi¬ 
kalischen Institutes der Technischen Hochschule zu Dresden) in einer 
im Institute angebrachten Bohrleitung von 88 m Länge vorgenommen1) 
und hierbei die Fortpflanzung eines Impulses auf 299 m/sek berechnet. 
Der Versuch ergab also eine Hemmung von 34 m gegenüber der Fort¬ 
pflanzung des Schalles in der freien Luft. Wenn man nun in Bech¬ 
nung zieht, daß bei diesem Versuche Bohre mit 15 mm Durchmesser 
von Messing in mehr geradliniger Anordnung verwendet wurden, 
während in unserem Falle Bohre von nur 6 mm Durchmesser in engen 
Bleiwindungen zu untersuchen waren, so ist die Verzögerung um weitere 
77 m in der Sekunde wohl erklärlich. Bemerkenswert ist aber, daß 
diese Erscheinung mit Hilfe unseres Chronographen schon in der kurzen 
Längeneinheit von 3—5 m gefunden wurde. 
1) Wied. Ann. 1886.
        

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