Bauhaus-Universität Weimar

Experimental-Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 
75 
■neuen Gruppen zwar gebildet werden können, aber eine ganz 
ungewöhnliche, von der normalen völlig abweichende Struktur 
zeigen, schliefslicli auch so, dafs kurze Gruppen nach mehreren 
langen, einen langsamen unbefriedigenden Eindruck machen. 
Für alle drei Arten wollen wir jetzt die betreffenden Belege geben. 
Fräulein G. hatte mit Geschwindigkeit 3 Zwei-, Vier-, Sechs-und Achtgruppen 
gebildet — hierbei war die Sechsgruppe in 3 Zweigruppen und nicht wie 
in der Regel in 2 Dreigruppen zerfallen, — und sollte nun in Dreigruppen 
rhythmisieren. Dies „ging jedoch nicht recht.“ Bei Mr. S. statuierte sich 
sehr leicht der Typus der Dreigruppe. Als er unter diesen Umständen ein 
mal zu Acht gruppieren sollte, war es sehr schwer, ohne jede Betonung 
und unangenehm. Noch schwerer war für ihn gleich darauf eine Zehn¬ 
gruppe, nachdem eine Neungruppe vorausgegangen war. Auch hier fehlte 
die Betonung, es war also wohl nicht Rhythmus. Fräulein K. sollte nach 
Vier- und Achtgruppen solche mit drei Gliedern bilden : „Dies stimmte aber 
nicht mit dem Rhythmus der Lichter.“ Sie hatte eben den Eindruck, als 
ob neben dem erzwungenen subjektiven noch ein anderer objektiver da war. 
Auch für die zweite Art der Einwirkung steht eine Reihe von Beispielen 
zur Verfügung. Hierher gehört der eben kurz zitierte Fall der Sechsgruppe 
von Fräulein G. Als bei Herrn He. auf eine Achtgruppe eine Siebengruppe 
folgte, war diese eigentlich nichts anderes als eine Gruppe von 8 Gliedern, 
von denen nur das letzte fehlte. Er hatte dabei auch das Gefühl der Un¬ 
befriedigung und mufste sich Mühe geben nicht bis 8 zu zählen. Ganz 
ähnlich war es; als er eine Elfgruppe nach einer Zwölfgruppe bilden sollte. 
Der eingeprägte Typus der Viergruppe hatte fallenden Takt, betont waren 
also 1, 4, 7 und 10, dabei erhielt 10 einen besonderen Iktus und war auch 
zeitlich länger. Aber auch dies war schwierig und unangenehm. Noch deut¬ 
licher trat dies bei Mr. S. auf, indem bei ihm Gruppen, die sehr häufig 
Vorkommen und dabei immer eine bestimmte Struktur aufweisen, voll¬ 
kommen im Sinne des perseverierenden Gruppentyps abgeändert werden. 
Bei ihm wurde, wie schon erwähnt, der Typus der Dreigruppe leicht sehr 
stabil. Unter diesem Eintlufs bildete er Achtgruppen, die in 2 Drei- und 
eine Zweigruppe zerfielen, Siebengruppen, die ganz analoge Struktur hatten, 
so dafs zu den beiden Dreigruppen noch ein alleinstehendes Glied hinzu¬ 
kam, ja sogar Viergruppen, die ebenso aufgebaut waren, also aus einer 
Dreigruppe und einem alleinstehenden Gliede bestanden. Ich konnte 
schliefslicli jede beliebige Gruppe von ihm erhalten, ich ging bis zur Siebzehn¬ 
gruppe, und alle waren nach demselben Prinzip gebaut: die Gruppen, die 
zum Typ der Dreigruppen gehören, waren von normaler Struktur, die an¬ 
deren waren aufgebaut als Gruppen desselben Typs, die störenden Glieder 
wurden einfach hinten angefügt. 
Dabei gab er bis zum Schlufs an, es ginge ganz leicht und angenehm, 
auch habe er den ausgesprochenen Eindruck der Gruppe. 
Eine ganz ähnliche Erscheinung trat einmal bei Herrn L. auf. Er 
hatte Zwei-, Vier- und Achtgruppen gebildet, und sollte nun in Sechs- 
t t 
gruppen rhythmisieren. Dabei zählte er 1 2 3 4 5 6. Ihm selbst fiel dabei
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.